Nox: Kettenbund · Kapitel 5

Abrakadabra

Abrakadabra – ich bin das, was ich spreche. Die Worte hallten in Nox’ Kopf, fremd und vertraut zugleich. Er lag zusammengerollt auf einer alten Decke, direkt auf dem Boden, während sein Meister ruhig und gleichmäßig atmete. Das Mondlicht fi

Dark Fantasy, Isekai, Magische Akademie, Psychologische Fantasy, High FantasypublishedVeröffentlicht: 2026-06-28734 Wörterca. 3 Min.

Abrakadabra – ich bin das, was ich spreche. Die Worte hallten in Nox’ Kopf, fremd und vertraut zugleich. Er lag zusammengerollt auf einer alten Decke, direkt auf dem Boden, während sein Meister ruhig und gleichmäßig atmete. Das Mondlicht fi

Abrakadabra – ich bin das, was ich spreche.

Die Worte hallten in Nox’ Kopf, fremd und vertraut zugleich. Er lag zusammengerollt auf einer alten Decke, direkt auf dem Boden, während sein Meister ruhig und gleichmäßig atmete. Das Mondlicht fiel durch das hohe Fenster und malte silberne Linien über Sylas’ schlafendes Gesicht – so friedlich, dass es beinahe grausam wirkte.

Nox wagte kaum zu blinzeln. Jeder Laut, jedes Rascheln seiner Decke hätte wie Verrat geklungen.

Nox erhob sich, die Augen nicht von seinem Meister lösend. Lautlos schlich er zum Schreibtisch. Dort lag es – das Buch von heute, sein heimliches Begehr. Sylas’ Atem ging ruhig, gleichmäßig, ein unheilvolles Wiegenlied. Nox’ Finger zögerten über den Seiten. Was, wenn ein Bann darüber lag? Die Strafe wäre tödlich. Er schluckte, schloss die Augen – und griff zu. Im nächsten Herzschlag war er im Badezimmer, die Tür im Rücken, das Buch in den Händen. Kein Zauber, kein Aufschrei. Nur sein eigener Atem, der sich bebend löste.

Das Buch roch nach Staub und altem Leder, doch die Worte darin waren frisch wie Schnitte. Nox’ Blick huschte über die erste Seite:

„Die Flamme erwacht nur im Opfer. Wer nicht gibt, empfängt nicht. Wer nicht verliert, gewinnt nichts.“

Es klang wie ein Gebet. Drohungen, Mythen, Worte von Priestern. Opfer, Flamme, Verlust. Keine Anweisung, nur Rätsel.

Doch schon auf der nächsten Seite kippte der Ton.

Wenn … dann … sonst. Vergleichen. Vertauschen. Wiederholen.

Sein Herz schlug schneller. Keine Poesie, keine Litanei – Logik. Pures Denken, in Sätze gegossen, die wie Zauber wirkten. Algorithmus.

Er verstand die Struktur, aber nicht den Schlüssel. Keine Handbewegung, kein Laut, keine Anwendung. Nur das Skelett einer Macht, die er noch nicht greifen konnte.

Es war, als hätte er den Quellcode einer Welt gefunden – und keinen Compiler.

Nox’ Finger krallten sich um die Seiten, als könnte er die Worte festhalten, bevor sie ihm wieder entglitten. Jeder Satz war wie ein Blick hinter einen Vorhang, den er nie hätte lüften dürfen.

Dann – ein Laut. Ein Klopfen, dumpf und gleichmäßig.

Drei Schläge, die durch das Holz der Tür dröhnten.

„Beeil dich, Nox.“ Sylas’ Stimme klang träge, aber mit einem Unterton, der keinen Widerspruch duldete. „Ich muss dringend.“

Panik schoss Nox durch die Glieder. Er schlug das Buch zu, das Leder ächzte im Stillen, und mit einer hastigen Bewegung schob er es hinter seinen Rücken, in den Bund seiner Hose. Das Gewicht war hart, kalt, und drückte gegen seine Haut wie eine Schuld.

Er atmete aus, zwang sich zur Ruhe und griff nach dem Riegel.

Er hätte das Buch im Badezimmer lassen können. Aber wenn Sylas sein Fehlen bemerkt hätte … nein, zu riskant. Also drückte Nox es fester gegen seinen Rücken, spürte das kalte Leder wie eine Brandmarke auf der Haut.

Die Tür schwang auf. Sylas stand da, die Augen verengt, die Nase leicht erhoben, als wollte er Witterung aufnehmen.

„Was hat so lange gedauert? Du hast dich eingeschlossen.“

„Ich hatte Magenschmerzen“, platzte es aus Nox. „Ich dachte … aber es kam nichts. Dann war der Schmerz weg.“

„Hmm …“ Sylas schnüffelte, die Stirn gerunzelt. Einen Augenblick war die Stille so scharf, dass Nox das Zittern seiner Finger spürte.

Dann hellte sich Sylas’ Gesicht auf. „Verschwinde. Ich muss dringend.“

Nox nickte hastig, schob sich an ihm vorbei, den Rücken stets abgewandt. Kein Laut, kein Griff hielt ihn zurück. Die Tür schlug ins Schloss, und erst da atmete er wieder.

Im Eilschritt legte er das Buch zurück auf den Schreibtisch, genau dorthin, wo es gelegen hatte. Sylas würde nichts merken.

Dann verkroch er sich auf seiner Decke, das Herz noch immer hämmernd.

Als Sylas zurückkehrte, zwitscherten draußen schon die Vögel. Morgenlicht kroch durch die Ritzen, und Nox tat so, als hätte er die restliche Nacht nichts anderes getan, als still zu warten.

Doch Sylas’ Blick glitt zu lange über den Schreibtisch. Er blieb an der Maserung des Holzes hängen, an der Stelle, wo das Buch lag – nicht prüfend, eher beiläufig. Aber Nox sah, wie die grünen Augen sich verengten. Ein winziges, fast unsichtbares Lächeln schlich sich auf Sylas’ Lippen, das nichts mit Freude zu tun hatte.

„Heute kommst du mit“, sagte er beiläufig, während er die Robe überstreifte. „Bibliothek. Vielleicht lernst du, was Schweigen wirklich bedeutet.“

Ein Schauer jagte Nox den Rücken hinab. Verdacht. Das Wort brannte in ihm wie Frost. Er nickte stumm, wagte nicht zu widersprechen. Doch in seinem Innern wusste er: Die Nacht hatte ihren Preis.

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Nox: Kettenbund · Kapitel 5

Abrakadabra

Abrakadabra – ich bin das, was ich spreche. Die Worte hallten in Nox’ Kopf, fremd und vertraut zugleich. Er lag zusammengerollt auf einer alten Decke, direkt auf dem Boden, während sein Meister ruhig und gleichmäßig atmete. Das Mondlicht fi

Dark Fantasy, Isekai, Magische Akademie, Psychologische Fantasy, High FantasypublishedVeröffentlicht: 2026-06-28734 Wörterca. 3 Min.

Abrakadabra – ich bin das, was ich spreche. Die Worte hallten in Nox’ Kopf, fremd und vertraut zugleich. Er lag zusammengerollt auf einer alten Decke, direkt auf dem Boden, während sein Meister ruhig und gleichmäßig atmete. Das Mondlicht fi

Abrakadabra – ich bin das, was ich spreche.

Die Worte hallten in Nox’ Kopf, fremd und vertraut zugleich. Er lag zusammengerollt auf einer alten Decke, direkt auf dem Boden, während sein Meister ruhig und gleichmäßig atmete. Das Mondlicht fiel durch das hohe Fenster und malte silberne Linien über Sylas’ schlafendes Gesicht – so friedlich, dass es beinahe grausam wirkte.

Nox wagte kaum zu blinzeln. Jeder Laut, jedes Rascheln seiner Decke hätte wie Verrat geklungen.

Nox erhob sich, die Augen nicht von seinem Meister lösend. Lautlos schlich er zum Schreibtisch. Dort lag es – das Buch von heute, sein heimliches Begehr. Sylas’ Atem ging ruhig, gleichmäßig, ein unheilvolles Wiegenlied. Nox’ Finger zögerten über den Seiten. Was, wenn ein Bann darüber lag? Die Strafe wäre tödlich. Er schluckte, schloss die Augen – und griff zu. Im nächsten Herzschlag war er im Badezimmer, die Tür im Rücken, das Buch in den Händen. Kein Zauber, kein Aufschrei. Nur sein eigener Atem, der sich bebend löste.

Das Buch roch nach Staub und altem Leder, doch die Worte darin waren frisch wie Schnitte. Nox’ Blick huschte über die erste Seite:

„Die Flamme erwacht nur im Opfer. Wer nicht gibt, empfängt nicht. Wer nicht verliert, gewinnt nichts.“

Es klang wie ein Gebet. Drohungen, Mythen, Worte von Priestern. Opfer, Flamme, Verlust. Keine Anweisung, nur Rätsel.

Doch schon auf der nächsten Seite kippte der Ton.

Wenn … dann … sonst. Vergleichen. Vertauschen. Wiederholen.

Sein Herz schlug schneller. Keine Poesie, keine Litanei – Logik. Pures Denken, in Sätze gegossen, die wie Zauber wirkten. Algorithmus.

Er verstand die Struktur, aber nicht den Schlüssel. Keine Handbewegung, kein Laut, keine Anwendung. Nur das Skelett einer Macht, die er noch nicht greifen konnte.

Es war, als hätte er den Quellcode einer Welt gefunden – und keinen Compiler.

Nox’ Finger krallten sich um die Seiten, als könnte er die Worte festhalten, bevor sie ihm wieder entglitten. Jeder Satz war wie ein Blick hinter einen Vorhang, den er nie hätte lüften dürfen.

Dann – ein Laut. Ein Klopfen, dumpf und gleichmäßig.

Drei Schläge, die durch das Holz der Tür dröhnten.

„Beeil dich, Nox.“ Sylas’ Stimme klang träge, aber mit einem Unterton, der keinen Widerspruch duldete. „Ich muss dringend.“

Panik schoss Nox durch die Glieder. Er schlug das Buch zu, das Leder ächzte im Stillen, und mit einer hastigen Bewegung schob er es hinter seinen Rücken, in den Bund seiner Hose. Das Gewicht war hart, kalt, und drückte gegen seine Haut wie eine Schuld.

Er atmete aus, zwang sich zur Ruhe und griff nach dem Riegel.

Er hätte das Buch im Badezimmer lassen können. Aber wenn Sylas sein Fehlen bemerkt hätte … nein, zu riskant. Also drückte Nox es fester gegen seinen Rücken, spürte das kalte Leder wie eine Brandmarke auf der Haut.

Die Tür schwang auf. Sylas stand da, die Augen verengt, die Nase leicht erhoben, als wollte er Witterung aufnehmen.

„Was hat so lange gedauert? Du hast dich eingeschlossen.“

„Ich hatte Magenschmerzen“, platzte es aus Nox. „Ich dachte … aber es kam nichts. Dann war der Schmerz weg.“

„Hmm …“ Sylas schnüffelte, die Stirn gerunzelt. Einen Augenblick war die Stille so scharf, dass Nox das Zittern seiner Finger spürte.

Dann hellte sich Sylas’ Gesicht auf. „Verschwinde. Ich muss dringend.“

Nox nickte hastig, schob sich an ihm vorbei, den Rücken stets abgewandt. Kein Laut, kein Griff hielt ihn zurück. Die Tür schlug ins Schloss, und erst da atmete er wieder.

Im Eilschritt legte er das Buch zurück auf den Schreibtisch, genau dorthin, wo es gelegen hatte. Sylas würde nichts merken.

Dann verkroch er sich auf seiner Decke, das Herz noch immer hämmernd.

Als Sylas zurückkehrte, zwitscherten draußen schon die Vögel. Morgenlicht kroch durch die Ritzen, und Nox tat so, als hätte er die restliche Nacht nichts anderes getan, als still zu warten.

Doch Sylas’ Blick glitt zu lange über den Schreibtisch. Er blieb an der Maserung des Holzes hängen, an der Stelle, wo das Buch lag – nicht prüfend, eher beiläufig. Aber Nox sah, wie die grünen Augen sich verengten. Ein winziges, fast unsichtbares Lächeln schlich sich auf Sylas’ Lippen, das nichts mit Freude zu tun hatte.

„Heute kommst du mit“, sagte er beiläufig, während er die Robe überstreifte. „Bibliothek. Vielleicht lernst du, was Schweigen wirklich bedeutet.“

Ein Schauer jagte Nox den Rücken hinab. Verdacht. Das Wort brannte in ihm wie Frost. Er nickte stumm, wagte nicht zu widersprechen. Doch in seinem Innern wusste er: Die Nacht hatte ihren Preis.

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