Ren blieb einen Moment vor der Tür der Taverne stehen. Wenn seine Informationen stimmten, würde er hier endlich die Person finden, nach der er gesucht hatte. Er legte die Hand auf den Griff und drückte die Tür auf. Stimmengewirr schlug ihm
Ren blieb einen Moment vor der Tür der Taverne stehen. Wenn seine Informationen stimmten, würde er hier endlich die Person finden, nach der er gesucht hatte.
Er legte die Hand auf den Griff und drückte die Tür auf.
Stimmengewirr schlug ihm entgegen. Gelächter, klirrende Krüge und der Geruch nach gebratenem Fleisch erfüllten den Raum. Auf den ersten Blick unterschied sich der Ort kaum von den anderen Tavernen, die er auf seiner Reise gesehen hatte.
An den groben Holztischen saßen kleine Gruppen bei Essen und Getränken zusammen. Einige unterhielten sich lautstark, während andere Karten spielten oder schweigend ihre Krüge leerten. Das warme Licht der Lampen an den Wänden ließ den Raum beinahe gemütlich wirken.
Ren ließ seinen Blick durch die Taverne schweifen.
Und wer von euch soll mir jetzt weiterhelfen?
Niemand schien auf ihn zu warten. Kein auffälliges Zeichen, keine Person, die ihm auch nur einen zweiten Blick schenkte. Schließlich blieb sein Blick am Tresen hängen. Dahinter räumte ein kräftiger Mann einige Krüge beiseite.
Wenn hier jemand wusste, wer ein und aus ging, dann vermutlich der Wirt.
Ren ging hinüber. Er hatte den Tresen kaum erreicht, als der Mann zu ihm aufsah.
„Was darf's sein?"
„Ich suche nach einer bestimmten Person."
Der Wirt musterte ihn kurz, bevor sich ein angedeutetes Grinsen auf sein Gesicht legte.
„Dann bist du hier entweder genau richtig oder an einem komplett falschen Ort."
Ren musterte ihn einen Moment. Das Grinsen des Wirts verschwand.
„Also", sagte er und stellte den Krug in seiner Hand beiseite. „Wen suchst du?"
Ren zögerte. Den Namen hatte er auf seiner Suche inzwischen mehr als einmal gehört. Doch niemand hatte ihm sagen können – oder sagen wollen –, wer sich dahinter verbarg.
Jetzt war er so weit gekommen. Umkehren würde ihm auch keine Antworten bringen.
„Die Person ist unter dem Namen Silberauge bekannt."
Für einen Augenblick geschah nichts.
Dann bemerkte Ren, dass es ruhiger geworden war.
Nicht vollkommen still. Irgendwo wurde noch gesprochen, ein Krug schlug auf einem Tisch auf und Besteck klirrte gegen einen Teller. Doch mehrere Stimmen in seiner unmittelbaren Umgebung waren verstummt.
Ren widerstand dem Drang, sich sofort umzudrehen. Aus dem Augenwinkel bemerkte er zwei Männer an einem der hinteren Tische. Beide sahen zu ihm herüber.
Einer von ihnen erhob sich.
Na wunderbar.
Langsame Schritte näherten sich von hinten. Ren blieb am Tresen stehen, bis sich eine schwere Hand auf seine Schulter legte.
„Wie wär's", sagte eine tiefe Stimme hinter ihm, „wenn du dich erst mal setzt?"
Ren drehte den Kopf gerade weit genug, um den Mann aus dem Augenwinkel sehen zu können. Er war deutlich breiter als Ren und sah nicht so aus, als wäre seine Hand auf Rens Schulter als freundliche Einladung gemeint.
Der Wirt lachte leise.
„Du kommst in meine Taverne und fragst einfach so nach Silberauge." Er schüttelte amüsiert den Kopf. „Ha. Gefällt mir. Du bist ganz schön mutig."
Seine Stimme klang noch immer beinahe freundlich. Sein Blick tat es nicht.
Der Wirt griff nach einem Glas und begann, es mit einem Tuch auszuwischen.
„Die Frage ist nur..."
Er stellte das Glas langsam auf den Tresen.
„...wer bist du überhaupt?"
Seine Hand verschwand unter dem Tresen. Als sie wieder zum Vorschein kam, hielt er ein Messer darin.
Er legte es vor sich auf das Holz. Nicht besonders schnell oder bedrohlich. Fast beiläufig.
Und genau das gefiel Ren daran am wenigsten.
Die Hand auf seiner Schulter löste sich. Ren sah erst auf das Messer, dann zum Wirt.
Okay. Dann bin ich hier wohl doch richtig.
Ohne etwas zu sagen, zog er den freien Hocker vor dem Tresen zurück und setzte sich. Der Wirt stützte beide Hände auf das Holz. Von der lockeren Art, mit der er Ren noch vor wenigen Augenblicken begrüßt hatte, war nichts mehr übrig.
„Also noch einmal." Sein Blick ruhte fest auf Ren. „Wer bist du? Woher kommst du? Und warum sucht ausgerechnet jemand wie du nach Silberauge?"
Ren schwieg einen Moment. Sein Blick wanderte durch die Taverne, zu den beiden Männern, dann zu dem Messer auf dem Tresen und schließlich wieder zum Wirt.
„Wenn du wirklich wissen willst, warum ich Silberauge suche..."
Er hielt kurz inne.
„...dann muss ich etwas weiter vorne anfangen."
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