Ungerechtigkeit erschafft Chaos · Kapitel 20

Der Wagen gehört dir

Die Wächterprüfung beginnt und ausgerechnet Nisho steht auf der Seite der Jäger. Sora hat einen Plan, doch dafür muss er einem Mann vertrauen, der ihn gestern noch zur Seite stoßen wollte.

Fantasy, Psychological Drama, Tragedy, Isekai, ActionVeröffentlichtVeröffentlicht: 2026-10-252.907 Wörterca. 12 Min.

Die Wächterprüfung beginnt und ausgerechnet Nisho steht auf der Seite der Jäger. Sora hat einen Plan, doch dafür muss er einem Mann vertrauen, der ihn gestern noch zur Seite stoßen wollte.

Die Wagen verließen die Lichtung nacheinander. Jeder bog auf einen anderen Pfad in den Wald ab. Den Wagen von Gruppe drei zog ein müder Brauner, der schon am ersten Schlagloch stehen bleiben wollte. Auf dem Kutschbock saß Tobuz. Er hielt die Zügel, als könnten sie ihn beißen. „Ich habe noch nie einen Wagen gelenkt“, sagte er zum dritten Mal. „Dann lernst du es jetzt.“ Der hagere Begleiter saß hinter ihm auf einer Kiste, das Notizbuch auf den Knien. „Euer Ziel ist ein Wegstein hinter der Furt. Ihr müsst ihn erreichen, bevor die Sonne am höchsten steht. Gefangen bin ich, sobald mir ein Jäger die Hände bindet. Wehren werde ich mich nicht.“ Er schlug das Notizbuch auf. „Helfen werde ich euch auch nicht.“ Danach schrieb er nur noch. Hatsuno ging links neben dem Wagen, Sora rechts. Es schien Hatsuno zu gefallen, den Wagen zwischen sich und Sora zu wissen. Nach einer Weile ließ Sora sich zurückfallen und schloss auf der linken Seite zu ihm auf. „Du hast schon Eskorten begleitet. Worauf muss man achten?“ Hatsuno sah geradeaus. Nach ein paar Schritten wechselte er auf die rechte Seite des Wagens. Lieber wechselt er die Seite, als mir zu antworten. Ganz schön unhöflich. Aber auch das ist wertvoll: Wenigstens nimmt er mich noch wahr. Tobuz redete, wenn er nervös war. Nervös war er ununterbrochen. Er erzählte von seinem Dorf, dessen Namen Sora sofort wieder vergaß. Er erzählte, dass er noch nie mit einem Stab gezaubert hatte. Auch sprach er davon, dass er ohnehin keine Angriffsmagie beherrschte, nur ein bisschen was zum Fesseln. „Also Zauber zum Fesseln“, verbesserte er sich. „Nicht das Fesseln an sich. Das kann ja jeder.“ Niemand antwortete. Tobuz drehte sich auf dem Kutschbock um. „Herr Hatsuno?“ „Lass das Herr weg.“ „Stören die Hörner eigentlich beim Schlafen?“ „Nein.“ „Und bei Türen?“ Hatsuno schwieg. Tobuz nickte, als hätte er eine Antwort bekommen. „Bei Türen also.“ Sein Blick wanderte zu dem verblichenen Stoffband an Hatsunos linkem Horn. „Und das Band?“ „Geht dich nichts an.“ Wenig später versuchte Sora es ein zweites Mal. „Wegen gestern …“ „Spar dir das.“ Zum ersten Mal an diesem Morgen sah Hatsuno ihn direkt an. „Du redest wie die hinter dem Schalter.“ Wie die hinter dem Schalter. Zu ruhig also, zu glatt. Ein Wütender hört in jedem vernünftigen Satz die Behörde. Ich spare mir das Reden erst mal. Eine Weile hörte man nur die Räder und Tobuz’ Atem. Dann hielt er es nicht mehr aus. „Wo greifen die Jäger eigentlich an?“ Seine Stimme rutschte eine Spur zu hoch. Hatsuno brummte. „Wo ein Wagen langsamer wird.“ Gesagt hatte er es zu Tobuz. Sora merkte es sich trotzdem. Wo ein Wagen langsamer wird. Steigungen, enge Kurven, Wasser. Auf unserer Route muss das Pferd nur an einer Stelle wirklich langsam werden: an der Furt kurz vor dem Ziel. Bis dahin vergehen noch Stunden. Die eigentliche Gefahr liegt ohnehin nicht am Weg. Sie heißt Nisho. Unter den Prüflingen kann vermutlich nur er Auren lesen. Halte ich meine nicht länger zurück, sieht er mich über den halben Wald hinweg. Er wird kommen. Nach gestern will er wissen, ob ich ihm aus dem Weg gehe. Ich ziehe ihn vom Wagen weg, halte ihn hin und bin vor der Furt zurück. Gegen die übrigen Jäger reicht Hatsuno. Er muss mich nicht mögen. Er muss lediglich bestehen wollen. Darum mache ich mir aber keine Sorgen. Sora blieb stehen. „Ich gehe voraus.“ Tobuz zog so hastig an den Zügeln, dass der Braune tatsächlich anhielt. Das schien Tobuz mehr zu überraschen als alle anderen. „A-Allein?“ „Ich ziehe die stärksten Jäger vom Wagen weg. Vor der Furt bin ich zurück.“ Sora sah Hatsuno an. „Der Wagen ist deiner.“ Hatsuno starrte ihn an. Für einen Augenblick verschob sich etwas in seinem Gesicht. Dann wandte er sich ab. „Und ich?“, fragte Tobuz. „Lenk einfach weiter.“ Der Begleiter schrieb etwas in sein Notizbuch. Sora hätte einiges darum gegeben, zu wissen, was.


Bei den Jägern erzählte man sich schon von dem Jungen, der gestern einen Stier zu Boden gerungen hatte. Mit jeder Wiederholung wurde der Stier größer. Beim dritten Mal hatte er einen Tisch zertrümmert, beim fünften die halbe Halle. Nisho hörte zu und sagte nichts. Eine Nacht. Mehr braucht ein Gerücht in dieser Stadt nicht. Kämpfe ich hier wie immer, kennt bis morgen ganz Portena meinen Stil. Die Gestalt würde ihn vielleicht beim ersten Schritt erkennen. Wer oder was auch immer uns im Wald beobachtet hat, muss nicht auch noch erfahren, wie ich kämpfe. Man hatte ihm zwei Fremde zugeteilt, einen Bogenschützen mit einer Zahnlücke und eine Frau mit zwei Holzdolchen. Beide warteten darauf, dass er etwas sagte. Stattdessen führte er sie zu einer Wegkreuzung tief im Wald. Den Wald kannte er seit letzter Nacht. Dort spürte er es. Weit im Osten breiteten sich vertraute Farben aus, ohne jeden Versuch, sich zu verbergen. Zwischen den blassen Lichtern der übrigen Prüflinge wirkten sie wie ein Leuchtfeuer. Sora. Er versteckt sich nicht einmal. Versucht er mich damit zu rufen? Ich denke nicht, dass er jemand ist, der die Prüfung damit riskieren würde. Sicherlich will er mich vom Wagen weglocken. Nach der Prüfung, hat er heute Morgen gesagt. Er will gewonnen haben, bevor er redet. Er glaubt also, ich komme, um etwas zwischen uns zu klären. Also wirklich. Als ginge es heute nur um uns zwei. „Gruppe eins fährt nach Süden“, sagte er zu den beiden. „Sie sind die schwächsten unter den Wächtern. Ihr Weg führt an einem Bach entlang. Wartet, bis sie dort anhalten.“ „Und du?“, fragte die Frau. „Ich nehme mir Gruppe drei vor.“ Der Bogenschütze pfiff durch seine Zahnlücke. „Die mit dem Stier und dem Jungen?“ Ihm auszuweichen wäre die eigentliche Beleidigung. Meinen Stil halte ich zurück. Den Willen nicht. Nisho antwortete ihm nicht. Er war schon zwischen den Bäumen verschwunden.


Sora stand auf einem Felsvorsprung über einem Hohlweg. Hinter ihm ragte eine Felswand auf. Die Aura um ihn herum – die er sonst, wie bei Frau Ichikawa gelernt, dicht verborgen hielt – lag nun über den Baumwipfeln. Lange musste er nicht warten. Nur war es nicht Nisho, der kam. Vier Jäger schoben sich durch das Unterholz, zwei von jeder Seite. Ein Junge allein war schließlich für jeden Jäger ein gefundenes Fressen. Ein dürrer Junge mit einem Magiekristall hob die Hand und vor Soras Gesicht flammte ein greller Lichtschein auf. Sora hatte die Augen schnell geschlossen. Er hörte die zwei anderen Jäger den Hang heraufstampfen, schwer und ungeduldig. Der Letzte versteckte sich im Unterholz. Auch wenn sie in der Überzahl sind: Schon ihre Kleidung und ihre Waffen machen sie berechenbar. Er öffnete die Augen erst, als eines der Schwerter ihn fast erreicht hatte. Mit einer knappen Bewegung wich er aus und schlug dem Angreifer den Knauf seines eigenen Holzschwerts gegen das Handgelenk. Das Schwert fiel. Den zweiten ließ er über sein ausgestrecktes Bein stolpern. Der Jäger, der sich versteckt gehalten hatte, war schnell, doch er kam genau dort aus dem Gebüsch, wo Sora ihn erwartet hatte. Ein kräftiger Stoß gegen die Brust nahm ihm die Luft. Den Magier musste Sora nicht einmal berühren. Er ließ seinen Stab fallen und hob die Hände. Niemand blutete. Ein verstauchtes Handgelenk war das Schlimmste. Nur unter dem Verband an Soras Schulter brannte der Schnitt von Neuem. Dann wartete er. Ich muss an der Wand bleiben, dann kann er wenigstens nur von vorne angreifen. Ich muss mit ihm reden. Nicht über gestern. Über den Plan. Er soll sehen, dass ich ihn durchschaut habe, bevor er überhaupt angreift. Danach redet es sich über alles andere leichter. Die Sonne stieg. Irgendwo über ihm hämmerte ein Specht. Der Schatten der Felswand wurde kürzer. Nisho kam nicht. Er müsste längst hier sein. Meine Aura kann er unmöglich übersehen haben. Er hat sie gesehen und ist trotzdem nicht gekommen. Er hat nicht nach mir gesucht. Also hat er es doch bemerkt. Sora sprang vom Felsvorsprung und rannte.


Als Sora den Waldrand erreichte, lag die Furt unter ihm. Gut dreihundert Schritte trennten ihn vom Wasser. Der Wagen stand bis zu den Achsen im Fluss und kroch auf das andere Ufer zu. Tobuz hing in den Zügeln. Der Braune stemmte sich mit gesenktem Kopf gegen die Strömung. Keine dreißig Schritte hinter dem Ufer ragte der Wegstein aus dem Gras. Von der Seite watete Nisho auf den Wagen zu. Zwischen ihm und dem Wagen stand Hatsuno, knietief im Wasser. Sora biss sich auf die Lippe. Selbst wenn ich renne, schaffe ich es nicht rechtzeitig. Ich hoffe nur, Hatsuno kann ihn noch einen Moment aufhalten. Hatsuno warf sein Holzschwert in den Fluss. Nisho griff an. Schnell und direkt, schneller als jeder Jäger, den Sora heute gesehen hatte. Doch es war nicht die Art, mit der er Sora bei Meister Hazen zerlegt hatte. Kein Hieb kam aus dem toten Winkel. Jeder war sauber, gerade und gewöhnlich. Warum hält er sich zurück? Hat er Angst vor Gerüchten? Hatsuno wich ihm nicht aus. Den ersten Hieb nahm er auf dem Unterarm, den zweiten wehrte er mit dem Schienbein ab. Beim dritten trat er vor, mitten in die Bewegung hinein. Seine Faust traf Nishos Deckung. Ein dumpfer Laut, kaum lauter als ein Klopfen an einer Tür. Nisho sprang zurück. Erst einen Herzschlag später sank sein Schwertarm herab, als hätte der Schlag ihn verspätet erreicht. Das ist doch Rāzan. In dem alten Buch aus der Bibliothek stand kaum eine halbe Seite darüber. Der Stil trifft nicht die Oberfläche, sondern das, was dahinterliegt. Wer gegen ihn kämpft, glaubt, es sei nichts passiert, bis er fällt. Haltung und Form erinnern mich an verschiedene Kampfsportarten, gegen die ich in der Vergangenheit angetreten bin … Nisho nahm das Schwert in die linke Hand und versuchte, auf dieser Seite an Hatsuno vorbeizukommen, dann rechts. Wohin er auch wollte, Hatsuno stand ihm im Weg. Er kämpft viel ruhiger. Gestern habe ich jemanden geworfen, der aufgebracht war. Dieses Biest hätte ich nicht so leicht auf die Dielen bekommen. Auch Tobuz wollte jetzt eingreifen und richtete seinen Stab auf Nisho. Seine Lippen bewegten sich. Der Kristall an der Spitze glomm gelb auf und leuchtete mit der Zeit heller, als ein so schwacher Kristall hätte leuchten dürfen. Schnüre aus Licht schossen über das Wasser und schlangen sich um Nishos Knöchel. Mit einem trockenen Knacken lief ein Riss durch den Kristall. Nisho riss an den Fesseln, doch sie gaben nicht nach. Zwei Herzschläge lang, dann drei. Das genügte. Wasser spritzte, als der Braune das Ufer erreichte. Der Wagen rollte aus dem Fluss und am Wegstein vorbei. „Ziel“, sagte der Begleiter, ohne aufzusehen. Dann schrieb er weiter. Die Schnüre um Nishos Knöchel verblassten. Er stand im Fluss, das Schwert in der linken Hand, den rechten Arm noch immer schlaff an der Seite. Eine Weile sah er Hatsuno an. „Guter Schlag“, sagte er. Hatsuno antwortete nicht. Nisho hob den Blick zum Hang, den Sora gerade herunterkam. Er nickte ihm knapp zu. Dann verließ er das Ufer und verschwand zwischen den Bäumen. Als Sora unten ankam, war alles vorbei. Hatsuno fischte sein Holzschwert aus dem Fluss. Er sah Sora an und sagte nichts. Sora auch nicht. Auf dem Kutschbock drehte Tobuz den Stab in den Händen und starrte auf den gesprungenen Kristall. „Muss ich den bezahlen?“, fragte er leise mit betrübtem Blick. Der Begleiter schrieb etwas auf.


Am späten Nachmittag versammelten sich alle wieder auf der Lichtung. Der vernarbte Leiter las die Ergebnisse von seiner Liste ab. Gruppe drei hatte zusammen mit zwei anderen Wächtergruppen bestanden. Unter den Jägern, die bestanden hatten, fiel auch Nishos Name. Danach ging der Leiter durch die Reihen. Vor Sora blieb er stehen. „Saubere Arbeit. Vier angehende Jäger auf einmal. Keiner davon muss zum Heiler.“ Er klopfte mit der Liste gegen sein Bein. „Nur war dein Schützling die ganze Zeit woanders.“ „Woher wissen Sie –“ Der Leiter ging weiter, bevor Sora ausreden konnte. Mein Schützling war genau dort, wo er sein sollte. Am Ziel. Ohne mich wären die vier Jäger beim Wagen gewesen, nicht bei mir. Dass Nisho meinen Köder durchschaut hat, ändert nichts am Ergebnis. Der Plan hat funktioniert. Die Gruppe hat gehalten. Hatsuno stand ein Stück abseits und wickelte ein Tuch um seinen Unterarm. Wo Nishos Hiebe ihn getroffen hatten, schwoll die Haut dunkel an. Als Sora an ihm vorbeiging, hob er den Kopf. „Du hättest den Wagen auch ohne Probleme alleine halten können. Wieso hast du ihn mir übergeben?“ „Du warst der Einzige von uns, der schon Eskorten gemacht hat.“ Hatsuno sah ihn einen Moment an. Eine rein impulsive Entscheidung. Trotzdem sieht er mich an, als hätte ich ihm etwas geschenkt. „Na, dann will ich nicht weiter nachfragen“, sagte Hatsuno schließlich. Tobuz tauchte neben ihnen auf. Den gesprungenen Stab hatte er abgeben müssen. Bezahlen musste er ihn nicht. Das schien ihn mehr zu erleichtern als das Bestehen. Sein Blick wanderte wieder zu dem Band an Hatsunos Horn. „Darf ich jetzt fragen, was das für ein Band ist?“ Hatsuno schnaubte. Sora rechnete mit derselben Antwort wie am Mittag. „Hat Mio geknotet. Es ist eine Art Glücksbringer.“ Er fuhr mit dem Daumen über den Knoten. „Hat nie was gebracht.“ Tobuz lachte. Als niemand mitlachte, brach er ab.


Im Siegelhaus saß Hana noch immer auf ihrem Stuhl neben dem Pult. Vor ihr lagen mehrere Blätter, über und über mit Kohle bedeckt. Ihre Finger waren schwarz bis zum zweiten Glied. Hinter dem Schalter hing ein Blatt an der Wand. Darauf ringelte sich eine Schlange mit einer runden Brille auf der Nase. „Sie hat Talent“, sagte der Mann am Schalter und schob seine Brille ein Stück höher. „Die Ähnlichkeit ist beunruhigend.“ Hinter Sora gab Hatsuno einen Laut von sich, der wie ein Husten begann. Dann lachte er, tief und polternd, ganz offensichtlich gegen seinen Willen. An den Tischen drehten sich ein paar Köpfe nach ihm um. Als er sich wieder gefangen hatte, ging er vor Hana in die Hocke. Selbst so überragte er sie noch um einen Kopf. „Gestern“, sagte er. „Das hätte dich treffen können. Tut mir leid.“ Hana betrachtete ihn eine Weile. Dann zuckte sie mit den Schultern. „Hätte es nicht. Sora war ja da.“ Hatsuno sah zu Sora hinüber. „Du vertraust auf ihn, das verstehe ich. Doch verlange ihm nicht zu viel ab, sonst könnte er irgendwann daran zerbrechen.“ Hana ignorierte es. Ihren Bruder dagegen schien die Bemerkung etwas zu stören. Während der Mann am Schalter die Ausweise holte, überflog Sora die Zettel an der Wand. Drei Aufträge für Geleitschutz nach Norden. Einer reicht bis an die Grenze. Bezahlt wird erst bei Ankunft, aber dafür gut. Das schließt die Lücke in meiner Rechnung. Der Mann legte vier flache Metallmarken an Schnüren auf das Holz. In jede war das Wappen Estalias geprägt, darunter das Siegel des achten Hauses und ein Name. Neben dem Namen stand eine Zahl. „Damit dürft ihr in der Stadt eingeschränkt Waffen tragen. Eure eigenen holt ihr euch am Tor zurück. Gemäß eurem Prüfungsergebnis wurde euch außerdem ein Rang zugeteilt. Sieben ist der höchste. Ihr könnt Aufträge eures Rangs und aller Ränge darunter annehmen. Den persönlichen Rang erhöht man durch viele erfolgreiche Aufträge oder durch Sonderaufträge.“ Also doch. Der Ausweis ist eine Erlaubnis. Die Sonderaufträge klingen interessant, doch das System dahinter erschließt sich mir noch nicht ganz. Hatsuno hielt seine Marke länger in der Hand als nötig. Mit dem Daumen fuhr er über die Buchstaben seines Namens. Vor dem Siegelhaus verabschiedete sich zuerst Tobuz. Er wollte in Portena bleiben und sich an kleinen Aufträgen versuchen. Schließlich hatte man ihn nur in Rang zwei eingestuft. „Falls ihr irgendwann einen Magier braucht …“ Er zögerte. „Also einen, der Wagen lenken kann …“ „Ich komme auf dich zurück“, sagte Sora und winkte ihm hinterher. Ein Anfänger, der einen Kristall sprengt. Das passt nicht zusammen. Den Namen merke ich mir. Hatsuno hatte sich die Marke um den Hals gehängt. „Du könntest mit uns kommen“, sagte Sora. „Wir wurden einen Rang höher eingestuft als du. Mit uns kannst du also auch Aufträge vom Rang vier annehmen.“ „Erst muss ich zu ein paar Familien. Die wissen noch nicht, dass ihre Leute nicht wiederkommen.“ Er sah zu Nisho, dann zu Sora. „Danke nochmal. Für dein Vertrauen.“ Er drehte sich um und hob im Gehen die Hand. „Wenn ihr mich sucht: Diesmal steh ich in der Liste.“ Auf dem Weg zum Gasthaus schlief Hana beinahe im Gehen ein. Sora nahm sie auf den Rücken. Eine Weile gingen sie schweigend durch die dämmrigen Gassen. „Die Prüfung ist vorbei“, sagte Nisho. „Ich weiß.“ „Wegen gestern. Die Sorge war nicht falsch. Wie ich sie ausgedrückt habe, schon.“ Sora nickte. Ein paar Schritte lang sagte keiner etwas. „Du hättest Gruppe drei in Ruhe lassen können“, sagte Sora schließlich. „Hätte ich.“ Nisho sah geradeaus. „Ich wollte aber deine Reaktion sehen, wenn etwas nicht nach deinem Plan läuft.“ Sora brauchte einen Moment. Es ärgerte ihn. Trotzdem musste er lachen, kurz genug, um als Husten durchzugehen. „Das mit dem Trinkgeld war unnötig.“ „War es.“ „Großzügig sein kann man erst, wenn man nicht pleite ist.“ „Auch Erdnüsse kauft man dann erst.“ Hana murmelte etwas in Soras Nacken, das nach Protest klang. Keiner von beiden verstand es. Trotzdem verirrte sich ein Lächeln auf Nishos Lippen. Sora schob sie auf seinem Rücken ein Stück höher. „An der Wand im Siegelhaus hängen Aufträge für Geleitschutz nach Norden. Wagen, die ohnehin in unsere Richtung fahren. Ich passe auf die Wagen auf. Du jagst unterwegs, was dir vor die Klinge kommt.“ Nisho dachte darüber nach, länger als nötig. „Und das Risiko?“ „Teilen wir.“ Den Rest des Weges gingen sie nebeneinander.

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