Ein Fremder hat bei einem Auftrag des Siegelhauses alles verloren, sogar den Nachweis, dass es ihn je gab. Kaum ist der Konflikt beendet folgt bereits der nächste und er trifft sie härter als der Kampf.
In der plötzlichen Stille knarrten nur noch die Dielen. Ein großgewachsener Halbmensch betrat das Gebäude. Seine Haut war dunkel gebräunt, das braune Haar kurz geschoren. Zwei Hörner wuchsen daraus hervor. Mit dem goldenen Ring in der Nase erinnerte er an einen Stier. Schwer stampfte er durch die Halle, geradewegs auf den Schalter zu. Sein Gesicht ließ keinen Zweifel daran, dass er nicht zum Verhandeln gekommen war. Sora versuchte es trotzdem. Hana hielt noch immer seinen Ärmel umklammert. Behutsam löste er ihre Finger und schob seine Schwester näher an den Schalter. Dann trat er dem Hünen in den Weg. „Entschuldige, aber wir sind gerade an der Reihe. Könntest du später wiederkommen?“ Sora sprach ruhig. Den Stier beruhigte das natürlich kein bisschen. „Interessiert mich einen Dreck. Geh mir aus dem Weg!“ Er deutete mit dem Kinn über Soras Schulter. „Die Brillenschlange da knöpf ich mir vor.“ Hinter dem Schalter schob der elegant gekleidete Mann seine Brille ein Stück höher. Sonst regte sich in seinem Gesicht nichts. Ich darf hier keine Zeit verschwenden. In diesem Zustand hört er niemandem zu. Soll ich ihn einfach mit roher Kraft niederstrecken? Das wäre die schnellste Möglichkeit. Nur zieht es Aufmerksamkeit auf uns. Die können wir nach der Gestalt im Wald am wenigsten gebrauchen. Verstecken muss ich meine Fähigkeiten nicht. Sie vor allen vorzuführen ist trotzdem etwas anderes. So entstehen Gerüchte. Oder ich mache mir Feinde, ohne es zu merken. Also Diplomatie. Erst fragen, nicht urteilen. Ihn reden lassen, bis er sich gehört fühlt. Dann die Lösung. „Entschuldige die Frage, aber was hat dir der Mann denn getan?“ Sora musste den Kopf in den Nacken legen. Der Stier maß deutlich über zwei Meter und sah verächtlich auf ihn hinunter. „Kann dir doch egal sein. Geh aus dem Weg und du wirst es merken.“ „Das kann ich leider nicht. Aber wenn du es vor allen Leuten erzählst, findet dein Anliegen vielleicht Gehör.“ Der Gehörnte wandte den Kopf zu den Tischen. Dutzende Augen hingen an ihm. Er bleckte die Zähne. Einer seiner Eckzähne war zur Hälfte abgebrochen. „Die Aufträge hier sind reine Abzocke. Der ausgehängte Rang war viel zu niedrig. Meine Kameraden sind tot, unser Anführer auch. Nur weil die da Geld sparen wollten.“ Er stieß einen Finger in Richtung Schalter. „Jetzt weigern sie sich, für den Schaden aufzukommen. Mein Siegelnachweis ist da draußen geblieben. Einen neuen krieg ich nicht, weil wir nur unter seinem Namen im Buch standen. Für die hier hat es mich nie gegeben.“ Jetzt wird ein Schuh draus. Sein Zorn ist durchaus berechtigt. Ich könnte so etwas auch nicht verzeihen. Genau genommen bin ich gerade selbst auf einem ähnlichen Weg. Ich muss weiter nachhaken, wenn das hier ohne Blut enden soll. „Da wäre ich sicher auch wütend. Hast du darüber nachgedacht, ob es sich statt um ein Dispositionsproblem vielleicht um einen Fehler des eigentlichen Auftraggebers handelt?“ „Willst du mich verarschen?“, brüllte der Halbmensch. Zu früh. Ich bin zur Ursache gesprungen, bevor er sich verstanden gefühlt hat. Gemeint war eine sachliche Frage. Gehört hat er einen Fremden, der ihm erklären will, dass er weiterdenken muss. „Mir reicht’s. Geh endlich zur Seite!“, schnaubte er. Er stieß Sora mit der flachen Hand gegen die Schulter, um ihn beiseitezuschieben. Sora hatte damit gerechnet. Er stand längst tief, die Knie gebeugt, das Gewicht auf dem hinteren Bein. Den Stoß fing er über die Hüfte ab und leitete ihn in den Boden. Unter seinem hinteren Fuß barst eine Diele. Sora selbst wich keinen Zentimeter. Nur unter dem Verband an seiner Schulter meldete sich ein halb verheilter Schnitt. Verblüfft starrte der Gehörnte auf den Menschen, der ihm gerade bis zur Schulter reichte. Sora ließ den Magiefluss in seine Augen steigen. Seine Kraft kommt der von Tenbara fast gleich. Nur greift er anders an. Auch seine Farben sind anders. Kantig. Ein tiefes Rot und ein tiefes Blau, die zu sattem Violett verschmelzen. Dieselbe Mischung wie bei mir. So kantig habe ich noch keine Aura gesehen. Vielleicht wäre er ja doch zu etwas nütze. Kaum hatte Sora den Gedanken zu Ende gebracht, holte der Stier schon aus. Die Faust kam schwer und mit weitem Schwung. Sora tauchte mühelos zur Seite weg. Erst im Ausweichen sah er, was hinter ihm stand. Hana. Die Faust flog weiter, genau auf sie zu. Nisho griff instinktiv nach seinem Schwert. Seine Hand fand nur das leere Gehänge an seiner Hüfte. Soras Körper handelte, ehe er nachdachte. Er bekam das Handgelenk zu fassen, bevor die Faust ihr Ziel erreichte. Mit der anderen Hand griff er in den Kragen, trat dicht neben den Hünen und fegte ihm das Standbein weg. Der massige Körper beschrieb einen halben Bogen und schlug rücklings auf die Dielen. Holz splitterte. Im ganzen Saal rührte sich niemand. Sora hielt das Handgelenk noch immer. Sein Griff wurde fester. Die freie Hand ballte sich zur Faust. Er wollte nachsetzen. Da fiel sein Blick auf Hana. Sie war bleich geworden. Beide Hände lagen flach auf der Kante des Schalters, als müsste sie sich daran festhalten. Sie sah nicht den Fremden an. Sie sah ihren Bruder an. Ihre Augen sagten ihm, dass es genug war. Sora ließ los. Der Stier setzte sich auf und mied jeden Blick. Sora streckte ihm wortlos die Hand entgegen. Der Hüne übersah sie, stemmte sich allein hoch und ging ohne ein weiteres Wort zur Tür. Sora sah ihm nach. Um sein linkes Horn war ein verblichenes Stoffband gewickelt. Der Knoten war klein und sorgfältig, nicht von der Art, die solche Hände knüpfen. Dann fiel die Tür hinter ihm zu. Erst jetzt spürte Sora die Blicke. Sie kamen von jedem Tisch. Irgendwo pfiff jemand leise durch die Zähne. Er hat Potenzial, aber seine Art ist wirklich zum Kotzen. Wegen ihm hätte ich beinahe schon wieder über die Stränge geschlagen. Nein. Eigentlich ist es meine Schuld. Ich habe Hana aus den Augen gelassen. Ich muss aufmerksamer bleiben. Obendrein habe ich genau das getan, was ich vermeiden wollte. Er sah zu Hana und Nisho. Der löste sich gerade aus seiner Haltung, als wäre nichts gewesen. In Hanas Gesicht kehrte langsam die Farbe zurück. „Alles in Ordnung bei euch?“ Beide nickten gleichzeitig. Sora wandte sich wieder dem Schalter zu. „Entschuldigen Sie bitte den Aufruhr. Stimmt es, was er gesagt hat?“ „Ohne Eintrag kein Nachweis.“ Der Mann sah dabei nicht einmal auf. Es klang wie ein Satz, den er heute nicht zum ersten Mal sagte. „Wo waren wir stehengeblieben?“ „Bei der Prüfung. Wie sie abläuft, erfahrt ihr morgen vor Ort. Vorher müsst ihr euch für eine Laufbahn entscheiden. Wollt ihr die Prüfung zum Jäger, zum Sammler oder zum Wächter ablegen? Die Gebühr beträgt zweihundert Siegel pro Kopf.“ Zwei Hunderter pro Kopf. Das sind mehr als zwei Tage Reise, die uns am Ende fehlen werden. „Welche Laufbahn bringt denn die meisten Siegel?“ „Wenn das euer Ziel ist, empfehle ich die Jäger- oder die Wächterlaufbahn. Unter den Wächteraufträgen gibt es einige, die sehr gut bezahlt werden. Dafür bergen sie höhere Risiken und können sich hinziehen. Die Jägeraufträge werden fair bezahlt und lassen sich schnell hintereinander erledigen.“ „Einen Moment bitte.“ Sora wandte sich zu Nisho. „Was denkst du?“ „Ich denke, wir müssen schnell weiter. Also ist Jäger das Sicherste.“ „Es gibt doch auch Eskorten, die direkt in Richtung unseres Ziels gehen.“ „Das Wort ‚Risiken‘ hast du aber schon mitbekommen, oder?“ „Unser ganzes Vorhaben ist ein Risiko. Wieso also nicht eines eingehen, bei dem wir wenigstens gutes Geld verdienen? Wir hätten ohnehin weniger Probleme, wenn du nicht ständig so viel Trinkgeld geben würdest.“ „Dann geh das Risiko bitte allein ein. Halt deine Schwester und mich da raus.“ Nisho verschränkte die Arme. „Außerdem ist Großzügigkeit eine Tugend. Du dagegen gibst unser Geld für Süßkram aus.“ Hana betrachtete ihre Schuhspitzen. Sichtlich genervt verzog Sora das Gesicht zu einem Lächeln. „Du hast der Sache doch zugestimmt. Aber gut. Dann geh deinen sicheren Weg der Tugend. Ich tue, was ich für richtig halte.“ Er wandte sich wieder der Anmeldung zu. „Ist es ein Problem, wenn wir verschiedene Laufbahnen wählen?“ Der Mann lächelte nervös. „Mitnichten. Tragt euch bitte hier ein. Eure Prüfungen beginnen in den Morgenstunden. Seid pünktlich, ja?“ Nisho zählte vier Hunderter auf den Schalter. Sora legte Hana eine Hand auf die Schulter. „Meine Schwester kann morgen nicht mit. Gibt es hier einen Ort, an dem sie warten kann?“ Der Mann musterte Hana über den Rand seiner Brille hinweg. Hana wich ihm nicht aus. „Hier, bei mir. Bis ihr zurück seid, gehört sie zum Inventar. Inventar kommt in diesem Haus nicht abhanden.“ Hana runzelte die Stirn. Ob sie beleidigt sein sollte, schien sie noch nicht entschieden zu haben. Sie trugen sich nacheinander in die Listen ein und traten hinaus auf den Marktplatz. Draußen dämmerte es bereits. Die Händler bauten ihre Stände ab. Nisho ging einen Schritt voraus, Sora einen Schritt hinterher. Zwischen ihnen lief Hana. Als Leidtragende blieb ihr nur ein Seufzen. An einem Stand, dessen Besitzer gerade die letzten Säcke verschnürte, blieb Sora stehen. Wenig später drückte er Hana einen kleinen Leinenbeutel in die Hand. Erdnüsse. Nisho hob eine Augenbraue. „Die sind nicht süß“, sagte Sora. Hana sah von einem zum anderen. Dann knackte sie zwei Schalen und hielt jedem eine Erdnuss hin. Beide griffen zu. Keiner sagte ein Wort. Kurz darauf fanden sie ein Gasthaus. Hana und Sora fielen erschöpft in die Betten. Nisho ging trainieren.
Am Tor händigte die Nachtwache Nisho sein Schwert aus und ließ ihn durch die Pforte. Ihr Blick fragte, was ein Besucher um diese Zeit draußen verloren hatte. Laut fragte sie nicht. Nachts streiften niedere Monster durch den Wald vor der Stadt. Was Nisho in die Quere kam, ob Goblin oder ausgewachsener Bär, fiel. Seine Klinge durchtrennte sie, als würde er Gemüse schneiden. Für ihn war das nicht nur ein Weg, stärker zu werden. Es half ihm auch, seine Gedanken zu ordnen. Eine Art Meditation in Bewegung. Warum hat mich sein Plan eigentlich so gestört? Es wäre wahrscheinlich der schnellste Weg ins nördliche Königreich. War mir das Risiko wirklich zu groß? Nach der Prüfung fangen wir auf dem niedrigsten Rang an. Solche Aufträge können uns unmöglich Probleme bereiten, mit denen wir nicht fertigwerden. Niedrigster Rang. Das hat der Halbmensch von heute vermutlich auch gedacht. Trotzdem bin ich zu weit gegangen. Die Sorge war nicht unfair. Wie ich mit Sora geredet habe, schon. Stehe ich nicht längst über solchen Diskussionen … Er wischte die Klinge an einem Büschel Moos ab und blieb stehen. Der Wald war still geworden. In solchen Momenten kam immer derselbe Abend zurück.
„Gib ihn wieder her!“, rief Hajime. Nisho dachte nicht daran. Er hatte seinem Bruder den Helm stibitzt und rannte damit freudestrahlend über den Hof des kleinen Anwesens, als trüge er einen erbeuteten Schatz. Es war der letzte Abend von Hajimes Heimaturlaub. Die Wintersonne stand schon tief und blendete Hajime bei jedem Schritt. Der Boden war hart gefroren. Ihr Atem stieg in weißen Wölkchen auf. Als Hajime den kleinen Dieb endlich zu fassen bekam, hatte er selbst zu viel Schwung. Zusammen rollten sie über den gefrorenen Boden, bis die Hecke hinter dem Haus sie auffing. „Nochmal!“, jubelte Nisho. Hajime hielt ihm schnell den Mund zu. Hinter den Fensterläden über ihnen lag das Schlafzimmer der Eltern. Von dort kamen Stimmen. „Wir spielen Verstecken“, flüsterte Hajime. „Wer zuerst einen Laut macht, hat verloren.“ Nisho presste sich beide Hände auf den Mund. Gemeinsam krochen sie dichter an die Wand. „Aber ich verstehe es nicht“, sagte ihre Mutter. „Wieso sollte sie sich ausgerechnet jetzt dafür entscheiden?“ „Ich verstehe es genauso wenig.“ Die tiefe Stimme des Vaters klang gedämpft. „Ich habe es nur teilweise durch die Tür mitbekommen.“ „Sicher, dass du dich nicht verhört hast?“ „Ganz sicher. Ich vertraue auf meine Sinne.“ „Wenn das stimmt, bist nicht nur du in Gefahr. Die Kinder und ich sind es auch. Sollten wir nicht so schnell wie möglich fliehen?“ „Das wird nicht klappen. Die Grenzen sind zu. Damit würden wir unser Schicksal nur beschleunigen.“ Eine Weile blieb es still. „Morgen geht Hajime wieder für einige Zeit an die Akademie. Wir brauchen jetzt Ruhe. Die Kinder und du geht schlafen. Ich denke mir bis dahin eine Lösung aus.“ Hajime war blass geworden. Lautlos hob er Nisho auf den Arm und schlich mit ihm zurück zum Eingang. Erst im Flur setzte er ihn ab. „Gewonnen“, flüsterte er. „Du warst ganz leise.“ Nisho strahlte.
Leider waren wir zu spät am Fenster. Sonst würde ich wenigstens den Grund kennen, warum meine Familie sterben musste. Jedes Wort, das wir gehört haben, kann ich bis heute aufsagen. Nur die Worte davor fehlen mir. Jetzt muss ich mir die Antwort mühsam erarbeiten. Notfalls prügle ich sie aus diesen Schweinen raus. Grünes Blut klebte an seinem Ärmel, als er den Wald verließ und zur Stadt zurückkehrte.
Am nächsten Morgen brachten sie Hana ins Siegelhaus. Der Mann mit der Brille stand bereits hinter dem Schalter. Neben seinem Pult wartete ein Stuhl. Darauf lagen ein Bogen Papier und ein Stück Zeichenkohle. Hana setzte sich, den Beutel Erdnüsse auf dem Schoß. Zwielichtig ist er. Aber gestern hat er gezeigt, dass er sich an Regeln hält, selbst wenn sie jemandem schaden. Dann hält er sich auch an sein Wort. Vor der Tür blieb Nisho stehen. Von hier aus trennten sich ihre Wege. „Sora. Wegen gestern …“ „Später.“ Sora lächelte. „Nach der Prüfung.“ Er will sich entschuldigen. Das Gespräch führe ich lieber, wenn ich bestanden habe. Dann redet es sich leichter. Nisho nickte knapp und ging. Sora drehte sich nicht nach ihm um.
Die Wächterprüfung fand in einem abgelegenen Teil des Waldes statt. Auf einer Lichtung standen fünf Wagen, auf denen Helfer noch Kisten verzurrten. Zu jedem Wagen gehörten eine Gruppe Prüflinge und ein Angestellter des Siegelhauses. Eingreifen durften die Angestellten nur im Notfall. Sie waren Schiedsrichter und Aufsicht in einem. Aus Sicherheitsgründen erhielt jeder Teilnehmer nur eine Übungswaffe, um schwere Verletzungen zu vermeiden. Der stellvertretende Leiter des 8. Siegelhauses teilte die Gruppen ein. Er war ein vernarbter Mann mit grauem Haar und einer Stimme, die mühelos bis in die letzte Reihe trug. „Gruppe drei. Sora Takafushi.“ Sora trat vor. „Hatsuno.“ Aus der Menge schob sich ein vertrautes Paar Hörner. Der Leiter sah kurz von seiner Liste auf. „Wie ich höre, kennt ihr euch bereits.“ Vereinzelt wurde gelacht. Hatsuno also. Kein Zufall, dass er bei mir landet. Eine Nacht hat gereicht, damit sogar der stellvertretende Leiter die Geschichte kennt. Ein Wunder, dass er nach seinem Auftritt überhaupt zugelassen wurde. Mir soll es recht sein. So bekomme ich ihn vielleicht doch noch auf meine Seite. „Tobuz.“ Ein junger Magier mit hellblauem Haar hob zögernd die Hand, als wüsste er nicht genau, ob er gemeint war. Hatsuno stellte sich zu ihnen. Sora würdigte er keines Blickes. Das Holzschwert wirkte in seiner Hand wie ein Spielzeug. Er hielt es, als hätte man ihm einen Besen in die Hand gedrückt. Tobuz bekam statt eines Holzschwerts einen Stab mit einem schwachen Magiekristall an der Spitze. Ihr Begleiter vom Siegelhaus, ein hagerer Mann mit einem Notizbuch, nickte ihnen knapp zu. Sora ließ den Magiefluss kurz in seine Augen steigen. Tobuz: gelb, blass, aber so rein, dass es im Morgenlicht beinahe verfließt. Ein Anfänger. Trotzdem liegt etwas Besonderes darin. Hatsuno ist noch immer kantig, nur nicht mehr so wie gestern. Er muss sich wohl etwas beruhigt haben. Die übrigen Prüflinge sind Durchschnitt. Nur die Angestellten des Siegelhauses wirken etwas fähiger. Als alle Gruppen eingeteilt waren, erklärte der Leiter die Regeln. „Dies ist eine simulierte Eskorte. Ihr beschützt den Angestellten des Siegelhauses, der eurer Gruppe zugeteilt ist. Die Prüflinge der Jägerlaufbahn haben die Aufgabe, diese Angestellten gefangen zu nehmen. Gelingt ihnen das oder ist eure ganze Gruppe kampfunfähig, ist die Prüfung für euch vorbei. Dann seid ihr durchgefallen.“ Er ließ den Blick über die Reihen wandern. „Für Magier gilt dasselbe wie für die Holzschwerter. Gezaubert wird nur, um zu fesseln, zu blenden oder zu bremsen. Wer jemanden ernsthaft verletzt, fällt durch, ganz gleich, auf welcher Seite er steht. Weitere Fragen beantworten euch eure Begleiter. Sobald die Wagen beladen sind und ihr eure Route antretet, beginnt die Prüfung. Und damit: viel Erfolg!“ Sora sah über die Wagen hinweg in den Wald. Irgendwo dort draußen sammelten sich die Jäger. Nisho. Einen Zweikampf gegen ihn gewinne ich nicht. Muss ich auch nicht. Ich muss nur unseren Schützling ans Ziel bringen. Er wollte den sicheren Weg, ich den gefährlicheren. Jetzt kreuzen sich unsere Wege.
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