Ungerechtigkeit ist der Ursprung des Chaos · Kapitel 11

Kapitel 10 Die Krone

Die Ausbildung endet oder eher, sie wechselt den Ort. Die friedlichen Tage sind vorbei. Es ist an der Zeit den ernst des Lebens zu lernen und wie kann man das besser, als die wichtigsten Personen, des Schachbretts, kennenzulernen.

Isekai, Fantasy, Action, Psychological, Drama, TragedypublishedVeröffentlicht: 2026-06-242.762 Wörterca. 12 Min.

Die Ausbildung endet oder eher, sie wechselt den Ort. Die friedlichen Tage sind vorbei. Es ist an der Zeit den ernst des Lebens zu lernen und wie kann man das besser, als die wichtigsten Personen, des Schachbretts, kennenzulernen.

Einen Tag vor dem Aufbruch, fand Sora Nisho dort, wo er ihn vermutet hatte: auf dem leeren Übungshof der Magieakademie, allein, ein Bündel zu seinen Füßen.

Es war kein großes Bündel. Alles, was Nisho besaß, passte hinein und das sagte mehr über sein Leben als jedes Wort. Er trainierte nicht. Er stand nur da, im letzten Licht und sah über den Hof, auf dem sie sieben Jahre lang nebeneinander gelernt hatten, ohne je ganz zueinander gefunden zu haben.

„Du gehst also auch.“

„Übermorgen. Es gibt einen Lehrer im Osten. Einer, der einen Stil unterrichtet, den man an keiner Akademie lernt.“ Nisho sah ihn nicht an. „Ich gehe zu Fuß. Es wird dauern.“

„Du könntest mit zur Militärakademie kommen. Mit deinen Noten nähmen sie dich sofort.“

„Nein.“ Es kam ohne Härte, aber ohne den Hauch eines Zögerns. „Die Militärakademie macht Soldaten. Ich will kein Soldat werden. Ich will stark werden und das ist nicht dasselbe. Ein Soldat kämpft, wofür man ihn schickt. Ich kämpfe für genau eine Sache und keine Armee der Welt teilt dieses Ziel.“

Da ist es wieder. Der Groll gegen Jene, die Ihm alles nahmen. Der Hass, der gleichmäßig brennt. Er ordnet sein ganzes Leben dieser einen Sache unter. Konsequent. Beinahe bewundernswert und vollkommen allein.

Sora merkte, dass ihm der Abschied schwerer fiel, als er es sich eingestanden hätte. Sieben Jahre lang war Nisho die einzige Konstante neben ihm gewesen, die einzige Person in seinem Alter, die er nicht hatte vollständig durchschauen können, weil unter Nishos Verschlossenheit etwas lag, das sich nicht lesen ließ. Es war nicht Freundschaft, jedenfalls nicht eine, die Nisho und Sora je so genannt hätten. Aber es war das Nächste, was Sora in dieser Welt dazu hatte und es ging gerade fort, mit einem Bündel und einem Ziel, das niemand teilte.

„Wir sehen uns also wahrscheinlich nicht wieder“ Es war keine Frage, eher ein Versuch, die Lage zu benennen, wie er Lagen gern benannte.

Zum ersten Mal an diesem Abend sah Nisho ihn an und in seinem Blick lag etwas, das Sora dort noch nie gesehen hatte: eine ruhige, fast unheimliche Gewissheit.

„Doch. Ich weiß nicht, wann und ich weiß nicht, wie. Aber unsere Wege laufen nicht einfach auseinander. Sie trennen sich nur ein Stück. Das fühlt sich nicht an wie ein Ende.“ Eine Pause. „Du wirst mir wieder begegnen, Sora Takafushi. Darauf würde ich wetten, wenn ich etwas zu wetten hätte.“

Er sagt es, als läse er es von irgendwo ab. Diese Sicherheit passt nicht zu einem Jungen, der nichts besitzt, außer ein Bündel und unausgeschöpftes Talent. Woher nimmt er sie? — Vielleicht ist es kein Wissen. Vielleicht ist es nur das, was ein Mensch braucht, der allein in eine fremde Richtung geht: die Gewissheit, dass er nicht für immer allein bleibt. Ich glaube sie nicht, aber ich gönne sie ihm.

Sora streckte die Hand aus. Es war dieselbe Geste wie damals unter der Treppe, vor Jahren.

Diesmal sah Nisho die Hand lange an. Trotzdem nahm er sie nicht. Er er legte seine eigene kurz auf Soras Schulter, ein knapper, fester Druck und das war, von Nisho, mehr als jeder Händedruck es gewesen wäre.

„Pass auf dich auf“ Dann hob er sein Bündel und ging, ohne sich nochmal umzudrehen.


Nisho ging, bis die Akademie hinter ihm verschwunden war und erst dann, als ihn niemand mehr sah, erlaubte er sich die Gedanken, welche er den ganzen Abend zurückgehalten hatte.

Ich habe gesagt, wir sehen uns wieder und ich habe es geglaubt, als ich es sagte. Vielleicht, weil ich es brauchte. Er ist der Einzige, der je etwas für mich getan hat, ohne direkt dafür bezahlt werden zu wollen. Ich habe seine Hand wieder nicht genommen. Nicht, weil ich nicht wollte. Weil ich es mir nicht leisten kann. Wer eine Hand nimmt, gewöhnt sich daran, dass sie da ist. Und wenn ich sie eines Tages verliere, wie ich alles verloren habe, dann zerbreche ich daran. Allein zerbricht man nicht. Allein ist sicher. Ich darf das nicht vergessen — nicht einmal für ihn.

Und doch trug er den knappen Druck von Soras Schulter unter der Hand noch lange mit sich, wie man eine Münze trägt, von der man nicht weiß, ob man sie je ausgeben wird.


Am Morgen des Aufbruchs stand Meiyo im Hof und das war an sich schon bemerkenswert. Für die Militärakademie war keine lange Reise nötig — sie lag in der Hauptstadt, im Herzen von Estalia, kaum einen halben Tag entfernt. Meiyo hatte sich trotzdem diesen einen Morgen genommen und Sora verstand, dass das eine Botschaft war, auch ohne Worte.

Sie standen am Zaun, an dem Minami sieben Jahre lang gelehnt und zugesehen hatte und für eine Weile sagte keiner etwas. Es war ein Schweigen, das Sora von seinem Vater kannte — ein Schweigen, das nicht leer war, sondern voll von Dingen, für die der Mann keine Worte fand.

„Ich war auf dieser Akademie.“ Meiyo brach das Schweigen. „Vor vielen Jahren. Sie war hart zu mir und ich war ihr dankbar dafür, lange nachdem es vorbei war.“ Er sah über die Felder, nicht zu seinem Sohn. „Die Magieakademie lehrt dich, was die Welt und Magie ist. Die Militärakademie lehrt dich, was du bist, wenn man dir alles nimmt außer deinem Körper und deinem Willen. Das ist eine Lektion, die man nicht in Büchern findet.“

„Warum hast du mich dann nicht stattdessen gleich zur Militärakademie geschickt?“

„Weil du erst verstehen musstest, bevor du fühlen lernst.“ Meiyo wandte sich ihm zu und in seinem Gesicht lag etwas, das Sora selten sah: nicht der General, nicht der Ausbilder, sondern schlicht ein Vater, der seinen Sohn fortgehen ließ. „Du bist klüger als ich es je sein werde, Sora. Das weiß ich, seit du vier warst und mich mit Fragen löchertest, die kein Kind stellt. Ich habe nie ganz verstanden, was in dir vorgeht. Aber ich habe aufgehört, es verstehen zu müssen. Ein Vater muss seinen Sohn nicht durchschauen. Er muss ihn nur lieben und ihm beibringen, was er kann.“

Genau wie Hokori. Beide sagen am Ende dasselbe: Wir verstehen dich nicht und wir lieben dich trotzdem. In meinem alten Leben hätte ich das für eine Phrase gehalten. Hier, von diesem Mann, der nie ein Wort zu viel sagt, ist es das Ehrlichste, was man hören kann. Und das, womit ich am wenigsten umzugehen weiß.

Meiyo hob die Hand, die vorher verborgen war und in ihr war ein Schwert. Schlicht, alt, mit einem abgenutzten Griff und einer Klinge, die viele Male geschärft worden war.

„Das hier, hat mich durch die Akademie gebracht und durch zwanzig Jahre Dienst danach. Er ist nichts Besonderes. Kein Erbstück, kein Zauberstahl. Nur ein Werkzeug, das nie versagt hat, weil ich es nie habe versagen lassen.“ Er legte es Sora in die Hand und schloss dessen Finger darum, mit einer Bewegung, die der ähnelte, mit der er ihm vor sieben Jahren das Holzschwert gegeben hatte. „Trage es. Nicht, weil du es benutzen musst, sondern damit ein Stück von zu Hause bei dir ist, wenn es hart wird.“

Sora schloss die Finger um den Griff. Er war warm von der Hand seines Vaters.

„Danke“ Es war keines der Dankeschön, die er sonst aussprach, wenn ein Dankeschön verlangt wurde. Es war das andere, das seltene, das ihm immer noch fremd in der Kehle saß.

Meiyo nickte, ein einziges Mal. Dann legte er seinem Sohn kurz die Hand auf den Kopf, eine Geste, die nicht mehr zu Soras Größe passte und genau deshalb umso schwerer wog. Danach sprach keiner mehr. Es war bereits alles gesagt.


Der Wind war kühl, als Sora zum ersten Mal den weiten, gepflasterten Platz der Militärakademie von Estalia betrat.

Alles hier war anders als an seiner vorherigen Schule. Dort hatten Mauern beeindrucken sollen; hier sollten sie abschrecken. Die Gebäude waren kantig, grau, ohne Zierde, gebaut nach dem einen Grundsatz, dass ein Ort, an dem Soldaten geformt wurden, keine Schönheit brauchte, sondern Funktion. Kein Banner warf hier eine elegante Falte. Das Banner Estalias hing schwer und gerade, als hätte selbst der Stoff gelernt, stillzustehen.

Ein anderer Ort. Eine andere Sprache. An der Magieakademie war ich der Junge mit dem Rekord, der Erste auf jeder Tafel, der, den man nicht kleinmachen konnte. Hier bin ich einer von hunderten und fast niemand hat je von mir gehört. Jahre habe ich verbracht, um an der einen Schule der Größte zu bleiben. Hier fange ich wieder ganz unten an. Ein kleiner Fisch in einem Teich, der das Meer berührt.

Hunderte Rekruten standen auf dem Platz, in Reihen, die sich von selbst ordneten, sobald ein Befehl in der Luft lag. Sora fand seinen Platz und tat, was er immer tat: las den Ort, die Gesichter, die Hierarchien, die sich schon in den ersten Minuten abzeichneten. Wer würde führen. Wer würde brechen. Wer war hier, weil er es wollte und wer, weil ein Vater es verlangte. Sora erkannte sich in beiden Sorten.

Dann erklang ein Gong, tief und lang und ohne dass ein Befehl fiel, richteten sich alle Rekruten aus. Die Zeremonie begann.


Vier Gestalten betraten das erhöhte Podest und mit ihnen veränderte sich die Luft auf dem Platz.

Voran ein Mann von imposanter Statur, in einem goldverzierten Gewand, welches das Morgenlicht auffing und zurückwarf. Sein Blick ging über die Rekruten, kühl und kraftvoll, und wo er hinfiel, fühlte man sich geprüft, ob man wollte oder nicht. Das musste der König sein, Muteki Yadoriki und er brauchte keine Ankündigung; seine Gegenwart war die Ankündigung.

Neben ihm ein junger Mann, nur wenige Jahre älter als die Rekruten und doch trug er sich wie einer, der schon Schlachten gesehen hatte. Zwei Schwerter an der Hüfte, eine Haltung von gänzlich unangestrengter Disziplin, ein Blick, scharf und ruhig zugleich. Senshi Yadoriki. Kronprinz und Anführer der Armee Estalias. Sora wusste sofort, dass die Geschichten über ihn nicht übertrieben waren.

Die Prinzessin von Estalia, Tsuki Yadoriki, lief hinter dem Kronprinzen und wie von einem Schatten verfolgt, ein Mann mit Speer, dessen Aussehen nur geahnt werden konnte.

Seit Langem hatte Sora das Verlangen, sie zu messen. Es war die alte Gewohnheit, die erlernte Fähigkeit: den Magiefluss in die Augen lenken, die Aura sehen, das Maß des Menschen nehmen, wie Frau Ichikawa es ihn gelehrt hatte. Er richtete den warmen Strom nach vorn, auf die Königsfamilie—

— und sah nichts.

Wo um Nisho ein blasses Blau gestanden hatte und um Ichikawa ein Meer aus Weiß und Gold, war um die Krone: nichts. Keine Farbe, keine Form, kein Schein. Nicht Leere, sondern eine glatte, undurchdringliche Fläche, an der Soras Wahrnehmung abglitt wie eine Hand an poliertem Stein.

Wie bei Vater und Herr Yamita. Es ist nicht, dass sie keine Aura hätten. Es ist, dass meine Wahrnehmung an ihnen versagt. Sie sind zu weit über mir. Was Frau Ichikawa mir beigebracht hat, reicht für einen Nisho, vielleicht für einen Mitschüler. Für eine Lehrerin die es zuließ. Ich bin ein Kind, das in die Sonne sehen will und nur merkt, dass es geblendet wird.

Und genau das war der Fehler. Denn Sora, der es nicht ertrug, etwas nicht zu sehen, tat das, was sein ganzes Wesen ihm eingab: Er trat einen Schritt vor. Nur einen. Näher, um besser zu sehen, um die Wand vielleicht aus geringerer Entfernung zu durchdringen.

Ein metallisches Zischen. Ein Windstoß. Und dann stand jemand vor ihm, der eben noch im Schatten verborgen war.

Der Schatten von Tsuki war in blutrote Rüstung gehüllt, das lange schwarze Haar im Nacken zusammengebunden und der Speer, den er eben noch auf dem Rücken getragen hatte, lag nun waagerecht an Soras Hals. Die Bewegung war so schnell gewesen, dass Sora sie nicht gesehen hatte — nur ihr Ende spürte er, den kühlen Stahl an der Kehle. Die Augen des Mannes waren wie geschärftes Glas, wach, analysierend, vollkommen ohne Wärme.

„Keinen Schritt weiter“, sagte er in befehlendem und kaltem Ton.

Sora erstarrte. Er rührte sich nicht, atmete flach und in seinem Kopf lief mit kalter Klarheit ab, was gerade geschehen war.

Seru Li Calden. Der oberste Leibwächter der Königsfamilie. Ich habe ihn nicht kommen sehen — nicht den Ansatz, nicht die Bewegung, nichts. Er war gerade noch versteckt und jetzt ist er hier und mein Hals gehört ihm. Ich konnte ihn nicht lesen und ich konnte ihn nicht kommen sehen und beides bedeutet dasselbe: Ich bin hier nicht der Jäger. Ich bin nicht einmal der Beobachter. Ich bin Beute, die sich für klug hält.

„Ich wollte nur—“, begann Sora.

„Wollen ist hier nicht gefragt.“ Serus Stimme unterbrach ihn und ließ keinen Spalt.

Und in diesem Moment, reglos, den Speer an der Kehle, geschah etwas, mit dem Sora nicht gerechnet hatte. Die Prinzessin auf dem Podest sah ihn an.

Sie war vielleicht vierzehn. Das lange silberne Haar fiel ihr offen über den Rücken. Die türkisen Augen, kalt und analysierend. Ihre Erscheinung hatte etwas fast Ätherisches. Es war kein Blick wie die anderen auf diesem Platz. Kein Urteil lag darin, kein Spott über den Jungen, der einen dummen Schritt zu weit getan hatte. Es war etwas anderes, etwas Stilles, Forschendes, als suchte sie etwas an ihm und als hätte sie es, anders als er bei ihr, bereits gefunden.

Sie sieht — mich. Als läse sie etwas auf einer Seite, die ich nicht aufgeschlagen habe. Ich kann sie nicht lesen und das lässt sie mich wissen. Es ist genau das Gefälle, das ich sonst auf meiner Seite habe. Zum ersten Mal stehe ich auf der falschen Seite davon. Und es gefällt mir nicht.

Dann wandte sie sich ab und der Moment löste sich, als hätte es ihn nie gegeben.

Seru zog den Speer zurück, lautlos und trat rückwärts auf seinen Platz, ohne Sora den Rücken zu zeigen. Der König trat an den Rand des Podests, als wäre nichts geschehen und seine Stimme rollte über den Platz, klar und durchdringend.

„Neue Rekruten. Ihr steht heute am Anfang eures Weges — nicht als Magier, nicht als Träumer, sondern als Soldaten Estalias. Manche von euch werden Helden werden. Andere werden es nicht überleben. Entscheidet selbst, wo ihr stehen wollt.“ Eine Pause. „Aber eines garantiere ich euch: Wir lassen niemanden zurück, der für Estalia kämpft. Möge euer Wille stärker sein als eure Angst.“

Mit diesen Worten wandte sich die königliche Familie zum Gehen und die Spannung auf dem Platz löste sich erst, als die roten Umhänge am Rand des Podests verschwunden waren.


Im Weggehen wandte der Kronprinz für einen Augenblick den Kopf und sein Blick streifte über die Reihen der Rekruten, beiläufig, wie ein Feldherr seine künftigen Werkzeuge mustert. Er blieb nicht an Sora hängen. Er ging einfach darüber hinweg, wie über alle anderen.

Und doch blieb in Sora etwas zurück, ein winziger Widerhaken, den er nicht zu fassen bekam.

Da war etwas. An ihm. Nicht an seiner Aura. Etwas an der Art, wie er den Kopf wandte. Wie er stand, einen Lidschlag lang, bevor er weiterging. Es kam mir — vertraut vor. Wie etwas, das ich kenne, ohne sagen zu können, woher.

Er verwarf es, fast im selben Atemzug. Er hatte kaum geschlafen, der Speer hatte an seiner Kehle gelegen, sein Puls war noch nicht zur Ruhe gekommen — ein Verstand unter solchem Druck sah Muster, wo keine waren, das wusste er besser als die meisten. Ein Kronprinz war ein Kronprinz. Was sollte an ihm vertraut sein für einen Jungen, der erst seit dreizehn Jahren in dieser Welt lebte?

Er dachte nicht weiter darüber nach. Es war einer jener losen Fäden, die der Verstand fallen lässt, weil tausend andere dringender sind und es würde lange dauern, sehr lange, bis Sora sich an diesen Morgen erinnern und begreifen würde, dass der Faden nie lose gewesen war.

Die roten Umhänge der königlichen Familie waren kaum am Horizont verschwunden, da trat schon der nächste Mann nach vorn und dieser hatte nichts Höfisches an sich. Breitschultrig, Mitte fünfzig, die Brustplatte zerschlissen von Jahren, die niemand zählen wollte und eine lange Narbe quer über das linke Auge. Seine Stimme war so rau wie der Rest von ihm.

„Ich bin Ausbilder Tenbara. Eure Namen interessieren mich nicht, bis ihr mir zeigt, dass sie es wert sind.“ Sein Blick wanderte über die Reihen, nicht prüfend, sondern wie der eines Mannes, der das Ergebnis bereits kannte. „Und jetzt das Begrüßungsgeschenk: Jeder von euch kämpft gegen mich. Einer nach dem anderen. Ich verspreche euch, ihr werdet verlieren — die Frage ist nur, wie schnell.“

Ein gedämpftes Raunen lief durch die Reihen. Schultern zogen sich hoch, jemand schluckte hörbar.

„Willkommen an der Militärakademie von Estalia.“ Es klang nicht wie eine Begrüßung, sondern wie der erste Satz eines Urteils. Ein Urteil das sich keiner der Anwesenden wünschte.