Nox: Kettenbund · Kapitel 10

Kammerspiel

Die Nacht lag schwer auf Nox – wie ein Kissen, das ein Geliebter ihm ins Gesicht drückte, bis kaum noch Luft blieb. Durch den Fensterspalt bauschten sich die Gardinen wie kleine Sommergeister, doch Nox hätte kotzen können. Sein Meister lag

Dark Fantasy, Isekai, Magische Akademie, Psychologische Fantasy, High FantasyVeröffentlichtVeröffentlicht: 2026-10-10527 Wörterca. 3 Min.

Die Nacht lag schwer auf Nox – wie ein Kissen, das ein Geliebter ihm ins Gesicht drückte, bis kaum noch Luft blieb. Durch den Fensterspalt bauschten sich die Gardinen wie kleine Sommergeister, doch Nox hätte kotzen können. Sein Meister lag

Die Nacht lag schwer auf Nox – wie ein Kissen, das ein Geliebter ihm ins Gesicht drückte, bis kaum noch Luft blieb. Durch den Fensterspalt bauschten sich die Gardinen wie kleine Sommergeister, doch Nox hätte kotzen können.

Sein Meister lag ruhig und friedlich auf dem Bett. Er hätte das Kissen nehmen können, einfach… Nein. Er war kein Mörder. Oder doch? Vielleicht. Wohin hätte er gehen sollen? Dies war nicht seine Welt. Und doch – hier gab es Magie. Hier konnte er lernen. Vielleicht konnte er sogar in Sylas so etwas wie Mitgefühl hervorrufen. Für einen Moment wirkte er beinahe wie ein einsamer, junger Mann. Irgendwie… niedlich. Nox schüttelte den Kopf. Hinter dieser Maske lauerte ein Monster, das nur darauf wartete, loszupreschen und alles zu zerreißen.

Sylas begann sich zu regen.

“Nox, bist du wach?”

Nox schwieg.

Er könnte einfach so tun.

Still bleiben.

Nicht antworten.

Doch die Stille wurde schwer.

“Ich bin wach”, sagte er schließlich.

Eine Pause.

Dann Sylas’ Stimme, matt und rau:

“Kannst du mir etwas zu trinken geben? Ich habe einen furchtbaren Durst.”

Nox stand auf. Die Nacht war ohnehin fast vorbei.

Im Badezimmer füllte er ein Glas, das Rauschen des Wassers viel zu laut in der Stille.

Seine Augen starrten ihn aus dem Spiegel an.

Schwarz.

Ein Abgrund, der ihn zurückstarrte.

Er schluckte. Der Brief fiel ihm ein – der Umschlag, der immer noch unberührt auf dem Schreibtisch lag. Sylas hatte kein Wort erwähnt.

Als wäre er blind. Oder als würde er warten, dass Nox selbst daran zerbricht.

Zurück im Zimmer:

Sylas saß bereits, als hätte er ihn erwartet.

Das Licht brannte.

Zu hell.

Kein Winkel mehr für Schatten.

„Hier, Meister“, sagte Nox und reichte ihm das Glas.

Sylas trank in gierigen Zügen, das Wasser rann ihm an den Lippen herab.

„Meister?“ wagte Nox in die Stille.

Sylas drehte sich nur leicht, als hätte er schon alles gehört.

„Hm?“

„Ihr… ihr habt immer noch nicht den Brief…?“

Ein Zucken. Ein Zorn, roh und unbeherrscht, blitzte in seinen Augen auf. Für einen Herzschlag war er nackt – dann würgte er die Regung ab, erdrückte sie wie ein Tier, das man am Hals packt.

„Das geht dich nichts an.“

„Aber—“

Jetzt wandte er sich voll zu ihm. Sein Blick schnitt.

„Ich glaube, ich habe dich zu sehr verwöhnt. Du widersprichst mir?“

Nox’ Kehle brannte. Er wollte etwas sagen – eine Entschuldigung, ein Protest, irgendetwas. Aber Sylas’ Augen hielten ihn fest, und die Luft selbst schien starr.

Es war kein Befehl, kein Wort.

Und doch wusste Nox: Schweigen war das Einzige, was er tun durfte.

Er senkte den Kopf.

Und in der Stille, die folgte, klang Sylas’ Atem wie ein Urteil.

Plötzlich veränderte sich Sylas. Die Schärfe wich aus seinen Augen, doch an ihre Stelle trat etwas, das Nox noch viel mehr fürchtete: ein Lächeln. Ruhig, geschmeidig, fast zärtlich legte es sich auf sein Gesicht, als hätte er längst einen Plan gefasst. Nox spürte, wie ihm das Blut in den Adern gefror. Dieses Lächeln kündigte nichts Gutes an – es war kein Moment der Milde, sondern das Vorspiel zu etwas, das ihn auf die Knie zwingen würde.

„Heute,“ sagte Sylas leise, „wird dein erster Auftritt sein.“

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