Der nächste Morgen war kein Aufbruch, nur die logische Folge einer Müdigkeit, die ihn längst verschlungen hatte. Sylas ließ ihn keine Sekunde aus den Augen, und er schleifte ihn mit zum Unterricht. Zuerst hatte Nox sich gefreut, endlich ein
Der nächste Morgen war kein Aufbruch, nur die logische Folge einer Müdigkeit, die ihn längst verschlungen hatte. Sylas ließ ihn keine Sekunde aus den Augen, und er schleifte ihn mit zum Unterricht. Zuerst hatte Nox sich gefreut, endlich einen Einblick in die Magie zu bekommen – geheimnisvolle Gesten, flüsternde Formeln, lodernde Flammen. Doch was er erlebte, war anders: starre Theorien, endlose Tabellen, Worte, die wie Steine im Raum lagen und ihn erdrückten. Kein Wunder, kein Glanz.
Für Nox war der Unterricht ein Käfig aus Regeln. Regeln und gähnende Müdigkeit. Für Sylas hingegen war er ein Fest. Er leuchtete bei jeder Frage, als wäre die Wahrheit selbst nur dafür da, aus seinem Mund geboren zu werden. Die Dozenten hingen an seinen Worten wie Tentakel an Glas – saugend, haltlos und doch voller Verehrung.
Als sie wieder in Sylas’ Zimmer waren, setzte er sich im Schneidersitz auf das Bett und ließ den Blick nicht von Nox. Minutenlang sagte er nichts, bis seine Stimme ganz beiläufig die Stille durchschnitt.
„Weißt du, was mir aufgefallen ist?“
Nox schüttelte den Kopf.
„Als ich dir erzählt habe, dass wir den Unterricht besuchen würden, hast du dich gefreut. Heimlich, aber doch. Und als wir dann dort waren … hast du nur dumm aus der Wäsche geschaut.“
Nox schwieg.
Sylas lehnte sich zurück, sein Ton fast sanft. „Ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir deine Aufgabe als Familiar ernsthaft beginnen. Und ein Familiar braucht als Erstes ein Verständnis für die hiesige Magie.“
Was er damit meinte, wurde Nox in den nächsten Stunden schmerzlich bewusst. Ströme der Magie, wie Ströme von Elektrizität, durchfuhren seinen Leib, bis er nur noch von starrem Willen aufrechtgehalten wurde – nicht von physischer Kraft.
Sylas hatte zuckersüß behauptet, es sei ihm eine Freude, beim Training zu helfen. Und ja – das sah man ihm an. Sein verzücktes Gesicht, als er immer und immer wieder Mana in Nox’ Körper pumpte, schrie nach Ekstase. Irgendwo konnte Nox ihn sogar verstehen, denn das Mana, das sich durch seine Kanäle wand, brannte auf eine seltsame Weise, die alles in den Schatten stellte, was er je gefühlt hatte. Es schmeckte nach Ozon – scharf, metallisch, wie der Atem eines Gewitters, das sich in ihm selbst entlud.
Doch je länger es anhielt, desto weniger war es nur Schmerz. Hinter dem Brennen, jenseits des Krampfens, öffnete sich etwas – ein Flimmern, als würde die Welt selbst durch feine Risse Licht hindurchsickern lassen. Für einen Augenblick glaubte Nox, den Strom lenken zu können, wenn er nur den Willen hielt. Das Mana folgte nicht allein Sylas’ Griff, sondern vibrierte in ihm wie eine Saite, die auch auf seinen Atem reagierte.
Ein Schreck durchfuhr ihn, kaum dass er es bemerkte. Sofort presste er die Augen zusammen, wagte nicht, das Wissen länger zu halten. Aber der Gedanke blieb: Es war nicht nur sein Schmerz. Es war auch meine Berührung.
Sylas’ Stimme schnitt durch das Flimmern, heiser vor Lust: „Noch einmal.“ Und Nox’ Herz raste, nicht nur aus Angst, sondern auch, weil er wusste: Inmitten der Qual hatte er etwas gespürt, das nicht für ihn bestimmt war.
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