Die Welt von Aetherion · Kapitel 5

Mein Heiligtum

Fantasyy, Legenden, Märchen, Reisetagebuch, AbenteuerVeröffentlichtVeröffentlicht: 2026-09-01428 Wörterca. 2 Min.

Vioresa führte mich die schmale Treppe hinunter. Ich erwartete eine rustikale Schmiede mit Amboss, großer Feuerstelle und Blasebalg – doch die Überraschung war groß, als wir unten ankamen und sie in die Mitte des Raumes hüpfte. "Willkommen in meiner Schmiede!", rief sie freudig und drehte sich dabei um die eigene Achse. Der Raum war niedriger als das Ladengeschäft oben und auch weitaus weniger staubig. Er wurde vom warmen Licht mehrerer Laternen erleuchtet, die von der Decke hingen. Durch kleine Oberfenster kahm zudem noch etwas Sonnenlicht hinein das den Staub in der Luft zum Glitzern brachte. Auf dem Boden lagen verschiedenfarbige Teppiche in dunklem Karmesin, Jade und Aquamarin. Eine Wand war ein einziger großer Schrank aus dunklem, warmem Holz, mit unzähligen kleinen Fächern, Türen und Schublädchen. Dem gegenüber stand ein Arbeitstisch, der ebenfalls dutzende kleiner Fächer hatte und auf denen Standen Kleine Figuren aus holz. Sie stellten Tiere und Personen dar, alle liebevoll drapiert und dekoriert. Daneben befand sich dann doch etwas, das nach Schmiede aussah: Auf den ersten Blick ein großer Ofen – aber doch nicht wie ein gewöhnlicher. Er war aus schwarzem Stein gefertigt, vielleicht Obsidian, vielleicht geschwärztem Stahl – oder eine Mischung aus beidem. Rechteckig, mit einer runden Oberseite, aus der ein Rohr durch die Decke führte. Die Luke stand offen, eine schwere Doppeltür mit einem Radverschluss, wie bei einem alten Safe. Der Ofen war mit feinen Mustern und Linien verziert, die in seine Oberfläche eingelassen waren. Das warme Licht der Laternen warf breite Schatten auf die glänzende Oberfläche, wodurch die Gravuren besonders gut zur Geltung kamen. Gegenüber der Treppe – auf deren letztem Absatz ich noch stand, um den Raum auf mich wirken zu lassen – sah ich ein breites Sofa mit vielen dicken Kissen. Davor… ein großer, umgestoßener Stapel Bücher. Die hatte ich wohl vorhin beim Fallen gehört. „Das ist mein Heiligtum“, fuhr die Elfe fort. „Und hier machen wir aus deinem besonderen Ring eine magische Sphäre! Aufgeregt?“ „Und wie“, antwortete ich, während ich meinen Notizblock im Anschlag hielt.

Vioresa setzte sich auf den Stuhl vor dem Arbeitstisch und legte den Ring erst mal vor sich ab. Plötzlich wurde ihre Miene ernst. Ich erschrak etwas, so einen Gesichtsausdruck hatte ich bei ihr noch nie gesehen. All die Fröhlichkeit war mit einem Mal verschwunden. Beinahe traurig schaute sie den Ring an. „Du weißt“, begann sie, „der Ring ist danach weg.“ Ich schluckte trocken. „Wenn alles glatt läuft, haben wir eine magische Sphäre. Wenn nicht, bleibt nur Altmetall vom Ring übrig. Aber egal was passiert… der Ring selbst wird verloren gehen. Das muss dir klar sein.“

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