Die Welt von Aetherion · Kapitel 9

Hochzeit

Fantasyy, Legenden, Märchen, Reisetagebuch, AbenteuerVeröffentlichtVeröffentlicht: 2026-09-13873 Wörterca. 4 Min.

„Die Hoch…zeit?“, fragte ich leise. „Der letzte Arbeitsschritt“, erklärte mir Leophas. Und bevor ich noch weitere Fragen stellen konnte, schnappte sich Vioresa die beiden Teile vom Tisch. Ich verzog das Gesicht – zwar war Skjalgir der mit den Oger-Händen, doch Vioresa hatte manchmal das Feingefühl eines Ogers. „Komm, das muss man einfach sehen!“, rief sie, während sie schon die ersten Stufen hinunterging. Leophas, mit seiner Teetasse, und ich machten uns auf den Weg, ihr zu folgen. Auf dem Weg die Treppe hinunter begann der kleine Mann bereits zu erklären: „Alle Vorbereitungen sind getroffen. Nun müssen wir alles zusammenfügen, um die magische Sphäre zu erschaffen…“ Vioresa stand bereit vor ihrem Ofen – dem schwarzen, großen, mit Runen und Linien verzierten Ofen. Als wir unten ankamen, legte sie Ring und Sphäre gerade auf ein Tablett und schob dieses behutsam in das innere. „Was genau ist dieser Ofen?“, fragte ich neugierig. „Das, mein unwissender Freund“, begann Vioresa zu erklären, während sie die schwere Tür schloss und den Radverschluss anzog, „ist ein sogenannter Athanoristrischer Runenofen . Wir verwenden ihn hier, um die beiden Teile magisch miteinander zu verschmelzen. Aber auch die Alchemisten benutzen ihn manchmal für… irgendeinen Quatsch“, fügte sie mit einem Schulterzucken hinzu. Nachdem die Tür des Runenofens geschlossen war, setzten Leophas und ich uns auf das Sofa, während Vioresa das Gerät in Betrieb nahm. Sie legte eine Hand auf, die Runen und Linien begannen zu leuchtet. Pulsierende Stöße gingen von ihrer Hand aus und zogen sich über die Oberfläche. Nach einiger Zeit setzte auch sie sich auf ihren umgedrehten Stuhl, die Arme auf der Lehne verschränkt, das Kinn darauf abgelegt, und starrte auf den Ofen. Die Runen und Linien pulsierten in regelmäßigen Abständen als ob der Ofen atmen würde. „Was passiert jetzt?“, fragte ich neugierig. „Warte“, antworteten Leophas und Vioresa synchron. „Und wie…“, wollte ich gerade beginnen, als ich vom Mann neben mir unterbrochen wurde: „Das kann dir keiner sagen. Aber sehen Sie, sehen Sie sich Vioresa an. Sie ist eine absolute Meisterin. Und ich habe in meinen fast sechzig Jahren Berufserfahrung schon mit dutzenden begabter Runenschmiede gearbeitet – aber keiner konnte ihr das Wasser reichen. Sie wird uns sagen, wann es so weit ist.“ Ich blickte zu Vioresa und war geehrt und begeistert, dass ich bei diesem Prozess dabei sein durfte.

Wir warteten. Lange. Ab und an öffnete sich an der oberen Seite der Wand des Raumes eine Luke, durch die Skjalgir zu uns hinunter linste – er konnte ja leider nicht hier runterkommen. Leophas war mittlerweile eingenickt, und auch ich verlor mein Zeitgefühl und wurde schläfrig. Nicht so aber Vioresa. Sie starrte unermüdlich auf die pulsierenden Runen. Suchte sie ein Muster? Ein Anzeichen für Fortschritt? Ab und an sah sie auf eine merkwürdig aussehende Taschenuhr, die sie aus einer Brusttasche zog, seufzte, und sie wieder wegsteckte. Die Uhr hatte wesentlich mehr Zahlen als üblich – und auch wesentlich mehr Zeiger. Später sollte ich sie über diese Uhr ausfragen. Das notierte ich mir noch, bevor ich langsam wegnickte. Ich schreckte hoch – ein lautes Geräusch riss mich aus meiner Dösigkeit. Es war der Stuhl, auf dem Vioresa saß – er war umgefallen, und sie stand vor dem Ofen. „Oh… das kann was werden… oder?“, murmelte sie. Sie schien mit dem Ofen zu sprechen. „Nur noch ein bisschen“, flüsterte sie, legte ihre Stirn auf das Metall und strich zart – fast sinnlich – über die Runen, fuhr die Linien nach. „Komm schon, Mami wartet auf dich… du musst gelingen.“ Sie war vollkommen vertieft in den Prozess – ich wagte es nicht, auch nur ein Geräusch zu machen. „Etwas jetzt? Bist du so weit? Sag es mir. Sprich!“ Die Elfe war wie in Trance. Langsam glitt eine Hand zu dem silbernen, großen Drehverschluss. Sie drehte ganz vorsichtig – nur einige Millimeter. Aus dem winzigen Spalt pfiff ein dünner Dampfstrahl. Sie drehte das Rad wieder zurück. „Ich wollte dich nicht erschrecken, meine Liebe“, sagte sie sanft in einem reumütigen Ton. Einige Zeit verging. Zwar sah ich nur zu, doch war ich schweißnass vor Aufregung. Dann, ohne Vorwarnung, drehte die zarte Hand das Rad mit einem gewaltigen Ruck – zwei ganze Umdrehungen. Silbriger Dampf zischte aus der Tür. Das Geräusch riss nun auch Leophas aus seinem Schlaf. „Oh, ist es schon so weit?“, fragte er schlaftrunken und richtete seine Brille. „Ja. Gleich“, antwortete Vioresa leise – man hörte sie durch das Zischen kaum. Plötzlich machte sie einen Satz zurück. „Jetzt!“, schrie sie, stemmte ein Bein gegen den Ofen und drehte wie besessen am Rad. Als es einrastete, riss sie die Tür auf. Der ganze Raum füllte sich mit silbrigem Dampf. Zu meiner Überraschung war er nicht heiß oder feucht wie Wasserdampf – der Rauch war

angenehm kühl und fühlte sich weich an, wie Federn. Und – das erklärte auch einiges – er roch angenehm. Nach fein aromatischen Räucherstäbchen… genau so wie Vioresa roch. Skjalgir öffnete wieder die Luke, sodass er sehen konnte, was vor sich ging – aber auch, damit der Dunst schneller abziehen konnte. Als ich endlich wieder sehen konnte, steckte Vioresa mit dem ganzen Oberkörper im Ofen. „Und?“, fragte Leophas. „Was haben wir da?“ „Ein Meisterstück“, antwortete Vioresa und kam wieder hervor gekrochen. In der Hand hielt sie das Tablett – und darauf… die magische Sphäre.

Zeig der Autorin oder dem Autor, dass dich dieses Kapitel erreicht hat.

0 Lichtfunken wurden hier entzündet.

Aktuelles Ende erreicht

Du bist am neuesten Kapitel angekommen.

Wenn du erfahren möchtest, wann es weitergeht, kannst du dieser Serie folgen. Nebelband benachrichtigt dich, sobald ein neues Kapitel erscheint.

RSS ist für Feedreader und automatische Updates gedacht.

Fortsetzung abonnieren

Bei neuen Kapiteln benachrichtigen

Trage dich ein und bestätige dein Abo per E-Mail.

Die Sicherheitsprüfung wird geladen.

Bitte schließe zuerst die Sicherheitsprüfung ab.

Du erhältst zuerst eine Bestätigungsmail. Erst nach deiner Bestätigung wirst du benachrichtigt.