Die Welt von Aetherion · Kapitel 13

Funkenflug

Fantasyy, Legenden, Märchen, Reisetagebuch, AbenteuerVeröffentlichtVeröffentlicht: 2026-09-25853 Wörterca. 4 Min.

Ich trat durch die Tür und stand im dunklen Laden. Nur noch wenige Kerzen brannten, und draußen war es bereits fast vollkommen dunkel. Kurz hielt ich inne, mir krampfte der Magen

  • nicht nur wegen der ganzen Kekse und des Tees, sondern auch, weil die Anspannung, die sich in der Gegenwart der Baba Yaga aufgebaut hatte, auf einen Schlag von mir abfiel. Mein Herzschlag pochte mir in den Ohren, und es dauerte einen Moment, bis ich mich wieder sammelte. Erst wollte ich den Laden verlassen, um morgen vielleicht noch einmal vorbeizuschauen, da sah ich, dass die Tür zum Keller offen stand. Langsam ging ich auf sie zu und hörte gedämpftes Schluchzen aus der Schmiede. Ohne lange zu überlegen, ging ich die Treppe hinunter. Unten angekommen, sah ich Vioresa, das Gesicht in den vielen großen Kissen vergraben. Gerade als ich einen Schritt näherkommen wollte, richtete sie sich auf und rieb sich die Augen.

"Es tut mir leid, geliebte Schwester, ich habe dich so unfassbar enttäuscht. Ich habe mich wirklich bemüht, wirklich." "Vioresa," ich machte auf mich aufmerksam, und sie sah mich mit verquollenen Augen an. "Oh, du bist's, Vedgard... es tut mir leid. Ich bin doch nicht so toll, wie ich gesagt habe. Die Sphäre ist mir misslungen, das tut mir..." "Was im Namen aller Götter redest du da?!" Ich musste sie unterbrechen. "Diese Sphäre ist ein absolutes Meisterwerk!" "Aber meine Schwester..." "Pfeif auf deine Schwester! Ich habe dir zugesehen: deine Leidenschaft, deine Hingabe, deine Fingerfertigkeit! Ich habe noch niemals jemanden gesehen, der so sehr für sein Handwerk brannte wie du! Ich habe keine Ahnung, welches Problem deine Schwester hat - vielleicht muss sie immer bitteren Tee trinken - aber du bist großartig und deine Fähigkeiten sind nicht zweitklassig! Hörst du?" Meine Ansprache sprudelte aus mir heraus, ohne dass ich wirklich darüber nachdachte. Einige Augenblicke starrte mich die weinende Nachtelfe einfach an, dann lachte sie durch ihre Tränen hindurch und wischte sich übers Gesicht. "Ja, der Tee, den sie uns früher gemacht hat, war wirklich immer bitter und ungenießbar... Danke." Wir sahen uns an, und ich lächelte einfach. "Lass dich nicht unterkriegen, okay? Du bist eine Meisterin der Runen mit den schönsten Amethystaugen, die ich je gesehen habe." Sie ging an mir vorbei zu ihrem Arbeitstisch und nahm eine der kleinen geschnitzten Holzpuppen hoch. "Die hat Serelith mir gemacht, als wir noch Kinder waren." Sie sah die Figur traurig an. "Früher waren wir ein Herz und eine Seele. Wir haben verschiedene Mütter, aber wuchsen wie echte Schwestern auf." Ich lauschte aufmerksam. "Meine Mutter ist ein hohes Tier in Noctum und hatte nie Zeit für mich. Sereliths Mutter hat mich wie ihre eigene Tochter behandelt. Sie war mir eine tolle Mama. Sie war so voller Liebe für uns. Den Faden, den ich verwendet habe hat sie auch gemacht und uns geschenkt,. Auch die Runen an der Robe meiner Schwester bestehen aus diesem Faden. Als sie dann starb, gab Serelith mir indirekt die Schuld dafür, gesagt hat sie das nie aber sie lässt es mich seit damals Spüren..." Ich bemerkte, wie Tränen ihr das Gesicht hinunterrannen. "Du musst das nicht erzählen, Vioresa," Sie blickte mich mit einem Lächeln an. "Ich weiß... es ist auch nicht so wichtig. Wichtig ist, dass ich weiß, dass ich meine Schwester immer noch liebe und ich glaube fest daran, dass sie mich auch liebt und nur das Beste für mich will." Sie kam auf mich zu, und ich war nicht darauf gefasst, als sie mich umarmte

"Ich danke dir, Vedgard. Dieser Tag war wundervoll. Ich hatte viel Spaß, und ich hoffe, du hast etwas gelernt." Vorsichtig erwiderte ich die Umarmung. Einige Augenblicke verharrten wir in der Schmiede, bis sie sich löste. "Ich möchte nun alleine sein, ist das okay?" fragte sie mich. Ich nickte nur und verließ die Schmiede. Oben angekommen trat ich durch den Laden Richtung Ausgang, ließ noch einmal die Ästhetik und Macht dieses Ortes auf mich wirken. Die Sphäre wickelte ich behutsam in ein Tuch und verstaute sie in meiner Tasche. Als ich auf die Straße trat, war es kalt geworden. Ich bemerkte eine Gruppe junger Mädchen vor dem Laden, alle mit ähnlichen Roben wie Serelith - wohl ihr Gefolge, Schülerinnen vielleicht. Langsam ging ich die Gasse hinunter Richtung Hauptstraße, in Gedanken versunken, ließ ich den Tag noch einmal Revue passieren. Da hörte ich hinter mir ein Rufen. Ich drehte mich um, um zu sehen, wer da meinen Namen schrie. Vioresa kam angerannt, mit einem großen Rucksack auf einer Schulter. "Was zum...? Vioresa?" fragte ich verdutzt, als sie keuchend vor mir ankam. "Ich... ich komm mit!" sagte sie. "Aber was ist mit deiner Arbeit? Was ist mit deiner Schwester?" "Die werden das verstehen und zurechtkommen. Hab eine Notiz da gelassen. Und meine Schwester... Pfeif auf meine Schwester! Ich liebe sie, aber sie ist eine miserable Lehrerin," erwiderte sie mit einem breiten Grinsen. Wir lachten und gingen Richtung Gasthaus. Und das, liebe Leserinnen, verehrte Leser, war mein Tag in der Sphärenschmiede - an dem ich nicht nur vieles gelernt habe, sondern auch der Besitzer einer eigenen magischen Sphäre wurde. Und dazu habe ich nun auch eine neue Reisegefährtin dazugewonnen.

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